Hamburg. St. Paulis Trainer Lienen kehrt einen Tag nach der Arm-OP auf den Platz zurück. Er will mit seinem Blitz-Coemback ein Zeichen setzen.
Sogar ein bürgernaher Beamter war am Mittwoch zum Training des FC St. Pauli gekommen, um sich nach Ewald Lienen zu erkunden. „Wie geht es Ihrem Arm?“, fragte der Polizist den Trainer des Hamburger Zweitligisten. „Es geht schon wieder“, entgegnete Lienen. Gerade einmal 24 Stunden nach seiner Operation am gebrochenen Speichenknochen tauchte der 61-Jährige überraschend wieder auf dem Trainingsplatz auf.
Am Sonntag war Lienen während des Spiels beim FC Heidenheim in der Coachingzone ausgerutscht und auf das rechte Handgelenk gestürzt. „Das Gelenk war zertrümmert, der Schmerz kaum zu ertragen“, sagte der Trainer am Mittwoch über die Stunden nach dem Unfall. In der ersten Nacht konnte er kaum schlafen, am Dienstag wurde ihm eine Platte eingesetzt. Rund drei Wochen muss er eine Schiene tragen.
Umso erstaunlicher war daher Lienens Blitz-Comeback auf dem Platz, das zunächst für Donnerstag vorgesehen war. Doch der Trainer, der mit seiner Mannschaft tief im Abstiegskampf der Zweiten Liga steckt, will ein Zeichen setzen. Sogar die Fußballschuhe schnürte er sich selbst. Und wer sich gefragt hatte, wie Lienen in den kommenden Wochen mit einem Gips an der Schreibhand seine typischen Notizen machen will, dem lieferte er auch gleich die Antwort: im Sitzen, den Block auf den Oberschenkel gelegt, mit der linken Hand schreibend. „Ich kann meine Schrift kaum erkennen“, scherzte Lienen über das Endprodukt seiner Schreibversuche.
Sturmbesetzung gegen Leipzig noch offen
Zu notieren hatte der Übungsleiter im Training einiges. Vor allem dürfte er daran tüfteln, wie er seine Offensive gegen den Aufstiegskandidaten RB Leipzig am Sonntag (13.30 Uhr, Millerntor und im Liveticker bei abendblatt.de) besetzen wird. Stürmer John Verhoek, der in den vergangenen vier Partien immer von Beginn an gespielt hat, fehlt gelbgesperrt. Ante Budimir arbeitete wegen einer Fersenprellung auch am Mittwoch nur im Kraftraum. Und Christopher Nöthe, der dritte etatmäßige Mittelstürmer im Kader, konnte wegen eines Infekts nur einen lockeren Lauf absolvieren. Am Donnerstag will der 27-Jährige aber wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.
„Ich bin körperlich fit und selbstbewusst“, sagte Nöthe am Mitttwoch. Nach seinem Treffer in Heidenheim als Joker führt er St. Paulis interne Torjägerliste an. „Dass ich mit fünf Saisontoren führe, ist natürlich ein bisschen traurig“, sagt Nöthe über das weiterhin größte Problem des Kiezclubs: die Sache mit dem Toreschießen. „Wir gehen zu schludrig und leichtfertig mit unseren Chancen um“, sagt Nöthe und nimmt die Mannschaft in die Pflicht.
Gut möglich, dass er am Sonntag gemeinsam mit Kyoung-Rok Choi den Angriff bilden wird. Der 20-jährige Südkoreaner, der vor drei Wochen gegen Düsseldorf einen Traumeinstand feierte und sich beim letzten Heimspiel gegen Nürnberg einen Bänderriss im Sprunggelenk zuzog, trainierte am Mittwoch wieder schmerzfrei. Das hatte sich auch Lienen notiert. Vermutlich nicht ganz schmerzfrei. Anmerken ließ er sich das natürlich nicht.
FC St. Pauli verliert beim 1. FC Heidenheim