Hamburg . Viele Klinikmitarbeiter folgten dem Verdi-Aufruf. Seit dem Nachmittag fahren die Busse in der City wieder auf den normalen Routen.

Rund 1600 Klinikmitarbeiter haben sich an dem Warnstreik, zu dem Verdi für den heutigen Donnerstag aufgerufen hatte, beteiligt. Nach einer Kundgebung an der Asklepios Klinik St. Georg zogen die Streikenden durch die Innenstadt. Die Hochbahn empfahl ihren Kunden, in der City auf Bahnen umzusteigen, da die Busse wegen der Demonstration Umleitungen fahren müssten.

Auch Patienten der Hamburger Asklepios Kliniken, des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) und des Universitären Herzzentrums (UHZ) mussten wegen des Warnstreiks mit Einschränkungen leben. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sind etwa 123 Bereiche und Stationen komplett oder zu über 50 Prozent in den Ausstand gegangen. Der Krankenhaus-Arbeitgeberverband (KAH) soll dadurch unter Druck gesetzt werden, für die rund 18.000 Beschäftigten ein Angebot vorzulegen. Auch Operationen fielen aus.

Verdi verlangt für die Mitarbeiter unter anderem 6 Prozent mehr Geld, mindestens jedoch 200 Euro im Monat. Der KAH bezeichnete den Warnstreik als unangemessen. Er sicherte zu, dass die Versorgung der Patienten gewährleistet sei.

Notdienstvereinbarung abgelehnt

Nach Angaben der Gewerkschaft ist die Streikbereitschaft an den neun betroffenen Klinikstandorten hoch. Verdi habe den Geschäftsführungen deshalb bereits nahegelegt, besonders an den Asklepios-Krankenhäusern AK St. Georg, Altona und Rissen sowie am UKE zu reagieren und etwa die Intensiv- und Aufnahmestationen herunterzufahren. Allein für das AK St. Georg riet Verdi der Geschäftsführung, mehr als 250 Betten zu sperren.

Mit Unverständnis reagierte die Gewerkschaft am Mittwoch auf die Ablehnung einer Notdienstvereinbarung durch den KAH. „Die Weigerung der Geschäftsführung, diese Vereinbarung zu akzeptieren und einzuhalten, ist schlicht unverantwortlich gegenüber den Patientinnen und Patienten“, erklärte Verdi-Streikleiter Michael Stock.

Nächstes Gespräch in zwei Wochen

Für KAH-Geschäftsführer Oliver Füllgraf ist der Warnstreik nicht hilfreich. Bislang sei es bei allen Tarifverhandlungen gelungen, ein einvernehmliches und vernünftiges Ergebnis zu erzielen. „Dabei hat die Erfahrung gezeigt, dass sehr frühzeitige Arbeitskampfmaßnahmen Tarifverhandlungen nicht einfacher machen.“

Die erste Verhandlungsrunde am 1. April sei durchweg offen und konstruktiv gewesen, sagte die KAH-Vorstandsvorsitzende Anja Rhode. Es gebe daher keinen Anlass, die Positionen zu verhärten. Das nächste Gespräch sei für den 3. Mai vereinbart.

AStA unterstützt Streikende

Auch der Allgemeine Studierendenausschuss der Uni Hamburg (AStA) meldet sich zu Wort und stellt sich auf die Seite der Streikenden. Der AStA fordert die Geschäftsleitung des UKE "als Teil der Universität Hamburg" auf, sich "nicht gegen das Grundrecht auf Streik zu stellen und dafür mit den Streikenden Notdienstvereinbarungen abzuschließen".

Artur Brückmann, Referent für Soziales im AStA der Uni Hamburg, sagt: „Im Leitbild der Uni Hamburg verpflichten wir uns als Mitglieder darauf, dem Wohl der Menschen durch Krankenversorgung auf dem neuesten Stand der Forschung zu dienen." Das UKE als "letztes öffentliches Krankenhaus" habe besondere Verantwortung für unkommerzielle Gesundheitsversorgung und Krankheitsprävention. Dafür seien gute Arbeitsbedingungen notwendig. Brückmann: "Nicht der Streik, sondern der Normalzustand gefährdet die Gesundheit.“