Balve/Lürbke. Ein junger Geselle aus Balve hat seinem Chef Frank Levermann bereits alle Ehre gemacht. Ab Donnerstag geht der 21-Jährige aufs Ganze.
Da steht er und strahlt. Kasper Schulte hält am Ende des Gesprächs seine Urkunde in der Hand. „Deutsche Meisterschaft im Handwerk 2023“ steht darauf – und vom ersten Landessieger ist die Rede. Neben dem jungen Gesellen aus der Lürbke steht sein Chef. Frank Levermann, seit 29 Jahren Inhaber der Schlosserei Blüggel am Willsdörn in Balve, hat ein pfiffiges Leuchten in seinen Augen. Dafür hat er einen guten Grund. Sein 21-jähriger Mitarbeiter geht nämlich aufs Ganze. Ab Donnerstag, 9. November, treffen die 16 Landessieger in Northeim, Niedersachsen, aufeinander. Dort wollen sie den Deutschen Meister ermitteln. Es kann nur einen geben.
Schnittmenge zwischen Chef und jungem Gesellen
Frank Levermann erkennt in Kasper Schulte wohl ein bisschen sich selbst wieder. So deutlich sagt es der Schlossermeister aus Blintrop nicht. Aber zwischen den beiden gibt es Parallelen. Frank Blüggel kaufte seinem Chef den Betrieb in der Glärbach ab, da war er gerade mal 24. Und sein junger Mitarbeiter ist, mit Realschulabschluss, Ehrgeiz und einer ordentlichen Portion Lockerheit, auf dem besten Weg, ebenfalls Meister zu werden – womöglich erst Deutscher Meister als bester Geselle und danach auch Handwerksmeister. Der Plan besteht. Zudem kann sich Kasper Schulte vorstellen, später selbst ein Unternehmen zu übernehmen.
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Frank Levermann gehört einer der insgesamt drei Schlosser-Betriebe im Stadtgebiet. Er hat, heutzutage Standard, eine Unternehmenshomepage (schlosserei-blueggel.de). Ein Blick auf die Startseite zeigt, dass er sich auf vier Bereiche konzentriert. Im Vordergrund steht Metallbau: von der Treppe bis zum Tor, vom Geländer bis zum Gitter. Individuelle Lösungen sind zudem Frank Levermanns Ding – etwa die Feuertreppe am Balver Rathaus, wie er im Gespräch stolz hervorhebt. Obendrein bietet er Industrieservice wie Reparatur und Instandhaltung. Nicht zuletzt kann er Stahl-Design. All das ist bereits vor dem Eingang zu sehen: eine stählerne Visitenkarte.
Das Gespräch findet im Chef-Büro statt. Ein moderner Rechner steht auf dem Tisch, an der Seite ein Röhrenradio: Fortschritt trifft Tradition. „Kaffee?“, fragt Frank Levermann, „Milch, Zucker?“ Im Handwerk wird nicht geschwafelt. Klartext zählt, kurz und knapp.
Kammermeister und Landesmeister ist Kasper Schulte mit seinem Gesellenstück geworden. Fotografieren lässt es sich nicht: „Es ist noch bei der Handwerkskammer“, sagt Kasper Schulte. Beim Bundeswettbewerb muss er etwas Neues machen, am Freitag ab 7.30 Uhr. „Alle kriegen eine Vorlage“, berichtet Kasper Schulte, „und dann geht’s los, damit alle gleich bewertet werden können“. Frank Levermann launig: „Das hatten wir noch nie – das ist auch für uns Neuland.“
Kein Neuland sind Wettbewerbe für Kasper Schulte. Lange hat er Fußball gespielt: „Gewinnen ist schon schön.“ Aber nicht um jeden Preis: „Nö, das muss nicht sein.“ Ausbilder Frank Levermann: „Diese Kombination habe ich oft erlebt: Wer beim Sport ehrgeizig ist, ist auch bei der Arbeit ehrgeizig.“ Auf welchem Weg sind Chef und Ex-Azubi zusammengekommen?
„Ich habe hier mal ein Praktikum gemacht“, erzählt Kasper Schulte. „Das hat mir gefallen. Ich bin ein Typ, der Abwechslung braucht – ich muss mal raus. Das war für mich als Kind schon mal klar.“ Den Tipp, es bei Frank Levermann zu versuchen, hat Kasper Schulte von seinem Vater erhalten: „Er hat in Balve im Krankenhaus gearbeitet. Und er hat gesagt: Geh‘ doch mal zum Frank hin. Da hast Du Abwechslung.“
Doch die Bewerbung hätte beinahe nicht geklappt. Frank Levermann war schon versorgt: „Wir hatten einen älteren Azubi und einen jüngeren. Für einen dritten hätte es in unserem kleinen Betrieb keinen Platz gegeben. Ich habe mich dann bei den Stadtwerken Menden beworben und hatte auch schon unterschrieben.“ Und kam eine unerwartete Wendung: Frank Levermann meldete sich. Er hatte eine frohe Botschaft für Kasper Schulte: „Der Andere hat gekündigt. Du kannst bei mir anfangen.“