Drolshagen. Der Drolshagener Yves Maubach ist nach einem Unfall querschnittsgelähmt. Doch das hält ihn nicht davon ab, neue Sportarten auszuprobieren.

Yves Maubachs Leben veränderte sich 2017 schlagartig auf tragische Weise. Nach einem Kopfsprung in unbekanntes Gewässer ist der damals 20-Jährige ab dem siebten Halswirbel querschnittsgelähmt.

Yves Maubach kann sich nur noch an die Fahrt mit dem Krankenwagen in die Klinik nach Kassel erinnern. Und an CT und MRT sowie an die Worte der Ärzte: „Wir können nichts versprechen. Wir müssen sehen, was kommt, sagten sie“, gibt er die Sätze wider, „heute weiß ich: Es wird nichts so sein wie es einmal war.“

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Doch Aufgeben war keine Option für den damaligen Handballer des TuS 09 Drolshagen? Wie schaffte er es sein Leben nach dem Unfall am Edersee wieder in den Griff zu bekommen? Von einer Sekunde auf die andere änderte sich alles. Kein Torwurf mehr, kein Tempogegenstoß und keine Sperre mehr. Unter dem Strich standen insgesamt sechs Monate Krankenhaus-Aufenthalt, anschließend eine anstrengende und intensive Reha in den Wicker-Kliniken in Bad Wildungen.

„Dann denkt man, es ist die schlimmste Zeit des Lebens. Heute weiß ich: Das ist es nicht.“

Yves Maubach, ehemaliger Handballer, über seine erste Zeit mit der Querschnittslähmung

Es war die Zeit des neuen Denkens, der Ideenfindung und der Umorientierung auf der ganzen Linie. Der Weg der kleinen Schritte stand nun im Fokus ein Weg, der lang, schwierig und dornenreichen Weg war. „In der Klinik hatte ich 14 Tage gelegen, davon zwei Tage auf der Intensivstation und viel geschlafen, anschließend ging es auf die Normalstation“, berichtet Yves Maubach. Danach ging es in die Reha nach Bad Wildungen. „Dann denkt man, es ist die schlimmste Zeit des Lebens“, sagt Yves Maubach, „heute weiß ich: Das ist es nicht.“ Yves Maubach ist Sportler durch und durch. In den Wicker-Kliniken Bad Wildungen fand er ein großes Sportprogramm vor. „Vieles habe ich ausprobiert“, weiß der Drolshagener. Zuletzt Rollstuhl-Rugby.

Exoskelette: Das steckt dahinter

Bei Personen mit schweren Verletzungen werden Exoskelette beispielsweise bei der Rehabilitation eingesetzt. Mithilfe der Exoskelette können Patientinnen und Patienten bestimmte Bewegungsabläufe besser oder überhaupt erst trainieren.

Maubach dachte nie ans Aufgeben. Der ehemalige Handballer aus Drolshagen hat sich ein neues Ziel gesetzt. Dabei spielte der Zufall eine Rolle: Mit der Hilfe eines Exoskeletts will er wieder aufrecht stehen und laufen. Seit Kurzem nutzt Yves Maubach das „ReWalk“-Exoskelett der Firma Lifeward. Es soll ihm neue Möglichkeiten eröffnen. Er ist der erste in der Märkischen Reha-Klinik, der mit diesem modernen Gerät trainiert. Mit dem Exoskelett könnte Yves Maubach künftig für etwa drei bis vier Stunden am Stück laufen, danach muss das Gerät aufgeladen werden.

Yves Maubach: Der Erste in der Märkischen Reha-Klinik, der mit dem „ReWalk“-Exoskelett trainiert.
Yves Maubach: Der Erste in der Märkischen Reha-Klinik, der mit dem „ReWalk“-Exoskelett trainiert. © Meinolf Wagner | Meinolf Wagner

Seine sportlichen Ziele hatte er im Blick: „Die Paralympics 2024 in Paris“, sei das ganz große gewesen. Doch dieses Ziel platzte für Yves Maubach: „Es war mir einfach zu viel. Mir fehlte die Motivation für Training und habe mich schweren Herzens entschlossen, in der Nationalmannschaft aufzuhören.“ In jener Zeit war er vollauf damit beschäftigt, sein Haus behindertengerecht umzubauen.

Es folgten weitere große Herausforderungen, wie eine ambulante Reha. „Die ist sehr anstrengend, aber sie bringt mich nach vorne“, sagte Yves Maubach. „Mein Arbeitgeber kommt mir bei den Reha-Terminen entgegen“. Aktuell spielt Maubach „nur“ noch in der Rollstuhl-Rugby-Bundesliga für die Koblenz Speedos.

Im Handball ein fähiger Kreisläufer

Yves Maubach spielte vor seinem Unfall Handball beim Kreisligisten TuS 09 Drolshagen. Ein talentierter junger Mann, der vom benachbarten TuS Derschlag ins Drolshagener Land gewechselt war. Sein Trainer war der frühere Gummersbacher Rainer Schumacher, Deutscher Meister, Pokalsieger und Europapokalsieger 1975/76 mit dem VfL. Mit Derschlag hatte Yves Maubach den Sprung in den A-Junioren-Oberligakader geschafft und war Haupttorschütze beim TuS 09 Drolshagen, war entscheidend am Sprung in die Kreisliga A beteiligt und leistete seinen Beitrag als fähiger Kreisläufer.   

Dass es Rollstuhl-Rugby gibt, hatte er durch den Physiotherapeuten erfahren.  Er nahm Kontakt zum Bundestrainer Christoph Werner auf und fand Freude an der Sportart Freude. „Es wird nicht wie üblich mit einem Original-Rugbyball gespielt, sondern mit einem Volleyball, da einige Spieler Kraftverluste in den Händen haben“, erklärte Maubach. 

Der Blick geht nach vorne. „Jetzt nutze ich eine Ausbildung beim Berufsfortbildungswerk in Oberhausen als Hochbau-Techniker, denn meinen alten Beruf als Dachdecker kann ich nicht mehr ausüben“, sagt Yves Maubach. Heute arbeitet er Vollzeit bei der Autobahn GmbH.