Hagen/Menden. Huckepack-Effekte mit dem Digitalen: Warum der Buchhandels-Filialist Thalia sein Geschäft in Sauerland und Siegerland weiter ausbaut.

Der Buchhandels-Filialist Thalia baut sein Geschäft in Südwestfalen aus. Zum April 2025 übernimmt das Unternehmen mit Sitz in Hagen auch die traditionsreiche Buchhandlung Daub in Menden. Inhaber Andreas Wallentin geht nach 37 Jahren in den Ruhestand; alle Mitarbeiterinnen werden weiterbeschäftigt. Damit sind derzeit neun Buchhandlungen in Südwestfalen mit Thalia entweder im Partnermodell verbunden oder werden von Thalia geführt.

Buchhändler Andreas Wallentin mit Gästebüchern seiner Gäste von Autorenlesungen

„Da ist viel im Umbruch, viele Buchhandlungen schließen derzeit, nur rund ein Drittel findet einen Nachfolger.“

Andreas Wallentin, Buchhändler aus Menden

Die Buchbranche befindet sich im Umbruch. Die Digitalisierung verändert den Einzelhandel durch neue Vertriebswege und zusätzliche Serviceangebote für Kunden. Viele Innenstädte drohen mangels Frequenz zu veröden. Und viele Buchhändlerinnen und Buchhändler sind im Ruhestandsalter und finden keinen Nachfolger. Während die Filialisten früher versuchten, die inhabergeführten Buchläden aus dem Markt zu drängen, so hat sich heute die Erkenntnis durchgesetzt, dass Buchhandlungen gerade in kleinen und mittleren Städten eine wichtige Funktion für eine lebendige Innenstadt haben. Mit Blick auf den Internetriesen Amazon sucht Thalia die Zusammenarbeit in der deutschsprachigen Branche. Daher bietet der Filialist seit einigen Jahren ein Partnermodell an, bei dem die Hagener ihre Expertise im Digitalen sowie im Backoffice inhabergeführten Buchhandlungen zugänglich machen, die aber weiter selbstständig bleiben können.

Konzept in Olpe erprobt

Buchhändler Georg Spielmann von der Buchhandlung Dreimann in Olpe war einer der ersten, die das Partnerschaftsmodell ausprobiert haben. Die Erfahrungen mit dieser Olper Kooperation sind in die Ausgestaltung des Konzeptes eingeflossen. Inzwischen sind auch Buchläden in Bad Berleburg und Betzdorf Thalia-Partner. Dazu kommen die drei Wortreich-Buchhandlungen von Katrin Föster in Meschede, Schmallenberg und Winterberg. Eigene Buchhandlungen führt Thalia in der Region in Herdecke, Neheim, Iserlohn, Lüdenscheid und Hagen. Und ab April dann in Menden. Zudem ist eine Neueröffnung in Siegen geplant, dazu steht aber noch kein Zeitrahmen fest.

Buchhändler Andreas Wallentin (64) ist zufrieden. „Thalia hat eine neue und gute Strategie. Sie übernehmen die Geschäfte mit einem guten und durchdachten Konzept. Niemand aus meiner Familie und von den Mitarbeiterinnen hatte Interesse, die Buchhandlung zu übernehmen. Ich freue mich, dass die Buchhandlung in Menden bestehen bleiben wird und eine Zukunft hat.“ Dennis Book, Vertriebsdirektor bei Thalia, ergänzt: „Wir werden die Buchhandlung am gewohnten Standort nicht nur weiterbetreiben, sondern möchten auch einen Teil dazu beitragen, den Standort Menden zu stärken.“

Mehr zum Thema

Durch seine vielfältigen Netzwerke gilt Andreas Wallentin als exzellenter Kenner der Branche in NRW, und was er beobachtet, macht ihm Sorgen. „Da ist viel im Umbruch, viele Buchhandlungen schließen derzeit, nur rund ein Drittel findet einen Nachfolger.“

Seine weit über die Grenzen Mendens bekannte Lesereihe wird Wallentin fortführen, „bis September stehen schon die Termine“. Der Buchhändler aus dem Sauerland lobt die konsequente digitale Strategie Thalias: „Thalia ist der einzige Player, der gegen Amazon ankommt, das schätze ich sehr. Das digitale Geschäft hat Hand und Fuß.“

Die Mescheder Buchhändlerin Katrin Föster hatte sich im Mai 2024 mit ihren drei Wortreich-Buchhandlungen in Meschede, Winterberg und Schmallenberg dem Thalia-Partnermodell angeschlossen. Auch hier spielte die Nachfolgefrage eine Rolle. „Meine Kinder haben kein Interesse, und ich erhoffe mir davon, dass es leichter wird, jemanden zu finden, der das Geschäft übernimmt“, sagte sie damals zu unserer Redaktion. Wie viele inhabergeführte Buchhandlungen hatte auch Wortreich bereits früh einen eigenen Online-Auftritt mit Shop, war aber mit der Wahrnehmung des Angebots unzufrieden. „Mit der E-Commerce-Expertise von Thalia haben wir die Möglichkeit, die Standorte zu sichern und die Innenstädte zu stützen, weil das unsere geschäftlichen Grundlagen stabilisiert“, sagte Katrin Föster. Sie und Andreas Wallentin beobachten, dass bei den Kunden besonders die Möglichkeit beliebt ist, Bücher online zu bestellen und dann im Laden abzuholen. „Dadurch habe ich im Laden eine deutliche Frequenzsteigerung“, sagt Katrin Föster.

Auch Ingo Kretzschmar, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Thalia, hatte in einem Interview die Huckepack-Effekte zwischen digital und stationär bestätigt sowie die Synergien durch Zusammenarbeit: „Buchhandlungen, die unsere Partner sind, steigern deutlich ihren Rohertrag, teilweise bis zu zweistellig, machen in der Summe mehr Umsatz pro Kunde.“

Der Filialist Thalia ist mit derzeit 394 eigenen Buchhandlungen nach eigenen Angaben marktführender Omni-Channel-Buchhändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Unternehmen mit Sitz in Hagen beschäftigt 6.800 Mitarbeitende.