Berlin. Robert Habeck zieht sich zurück. Seine Ziele hat er als Kanzlerkandidat nicht erreicht. Wird seine Art dennoch fehlen? Ein Pro & Contra.

Nach einem enttäuschenden Ergebnis bei der Bundestagswahl will Robert Habeck keine wichtige Funktion mehr in seiner Partei ausfüllen. Es ist ein Schritt, der die Grünen vor neue Herausforderungen stellt. Als Wirtschaftsminister stand er im Zentrum zahlreicher Krisen, als Vizekanzler prägte er den Kurs der Regierung mit. Doch hinterlässt sein Abgang eine Lücke, die schwer zu füllen ist?

Wird Robert Habeck als Spitzenpolitiker fehlen?

PRO von Patricia von Thien

Patricia von Thien

„Trotz krasser Patzer: Habecks Stimme hat Gewicht“

Patricia von Thien
Chefin vom Dienst

Robert Habeck kann nervig sein. Kostprobe gefällig? „Zuversicht ist nicht blinde Hoffnung. Zuversicht ist Arbeit an der Hoffnung.“ Sie verstehen nur Bahnhof? Es wird noch besser: „Ich möchte eine Nachdenklichkeit in den Raum stellen, die ich nicht gleich mit einer Antwort zuballern will.“ Diese tetrisartigen Schachtelsätze stammen alle aus der Feder des promovierten Grünen-Politikers.

Der 55-Jährige neigt dazu, ein bisschen zu dick aufzutragen und sich selbst zu inszenieren. Und doch ist es ein Fehler, dass Habeck seinen Rückzug angekündigt hat und kein Spitzenamt mehr bei den Grünen bekleiden will.

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Klar, er hat massive Fehler gemacht. Sein Vorpreschen beim Heizungsgesetz hat viele Wähler zurecht verschreckt. Sein Anteil am Ampel-Desaster und der desaströsen wirtschaftlichen Lage ist als Vizekanzler und Wirtschaftsminister nicht wegzudiskutieren. Doch eines ist Habeck trotz seiner Patzer: ein aufrichtiger Politiker. Einer mit Anstand. Einer, der der extremen Rechten die Stirn bietet. Der Ehrlichkeit und Authentizität ausgestrahlt. Um das zu erkennen, muss man kein Grünen-Wähler sein.

Markus Söder verliert mit Habeck ein Feindbild, das mindestens Windrad-Größe erreicht hat. Die deutsche Spitzenpolitik verliert mit ihm dagegen einen einmaligen Politikertypus. In Zeiten, in denen jede fünfte Stimme an die AfD geht, wäre seine kluge Rhetorik als Gegengewicht in der Opposition wichtiger denn je.

CONTRA von Pascal Biedenweg

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„Deutschland braucht keine Märchen, sondern Lösungen“

Pascal Biedenweg
Digital Lead

Robert Habeck zieht sich zurück – endlich. Nach einer Wahlniederlage, die sich lange abgezeichnet hat, verkündet der Wirtschaftsminister, kein hohes Amt mehr bei den Grünen anzustreben. Das ist nicht nur konsequent, sondern schlicht überfällig.

Unter Habecks wirtschaftspolitischer Führung ist Deutschland in die Rezession gerutscht, Unternehmen ziehen sich zurück, und der Industriestandort schwächelt. Damit war seine Amtszeit vor allem eins: politisches und kommunikatives Versagen im XXL-Format.

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Die Abschaffung der E-Auto-Prämie über Nacht? Ein Schock für potenzielle Käufer und ein massiver Vertrauensbruch. Das Heizungsgesetz? Ein kommunikatives Desaster, das Millionen Hausbesitzer in Panik versetzte. Die Energiewende? Ein unkoordinierter Flickenteppich, bei dem Deutschland mit Rekordstrompreisen glänzt – aber nicht mit Versorgungssicherheit.

Mit Habecks Rückzug endet also ein Kapitel, das von ambitionierten Zielen, aber ernüchternder Realität geprägt war. Der 55-Jährige mag ein talentierter Geschichtenerzähler sein, aber Deutschland braucht keine Märchen, sondern Lösungen. Und einen klaren Kurs.

Unter Steuermann Habeck war der Kompass verstellt – Richtung Wohlstand führte er nicht. Jetzt müssen die Grünen zeigen, ob sie bereit sind, aus diesem Scheitern die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

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