Schmallenberg/Westfeld. Nach 22 Jahren verlässt Marion Struwe mit dem Blumenladen Kick-In Schmallenbergs Ladenzeile. Warum sie den Kunden trotzdem nicht verloren geht.

Vor genau 22 Jahren, am 1. März 2003, übernahm Marion Struwe das Blumengeschäft „Kick-In“ in der Ladenzeile in Schmallenberg. Seitdem ist sie zu einer festen Institution für die Stadt geworden: Die gelernte Floristin beliefert Hotels und Firmen mit ihren Kreationen und ist eine feste Anlaufstelle für Schmallenberger, die gern Blumen, Gestecke und Dekoratives kaufen möchten.

„Ich habe fast mein ganzes Berufsleben hier verbracht“, sagt Marion Struwe: 1995 begann sie mit gerade einmal 16 Jahren ihre Ausbildung bei „Kick-In“, damals in der Filiale in Ohlenbach, nur ein Jahr arbeitete sie woanders, bevor sie zurückkehrte - wenige Jahre später übernahm sie das Geschäft von ihrer ehemaligen Ausbilderin. Doch jetzt ist Schluss, zumindest in Schmallenberg.

Wie es für Marion Struwe weitergeht

„Ab März ziehen wir in meine Werkstatt in Westfeld.“ Dort hatte die Floristin schon lange eine eigene Werkstatt am Haus, wo sie mit ihren Eltern, ihrem Mann und ihren zwei Kindern wohnt. „Hier im kleinen Ladenlokal hätte ich größere Bestellungen, für Beerdigungen oder Hochzeiten, aber auch die Vorbereitungen zum Beispiel vorm Muttertag oder vor Weihnachten, gar nicht stemmen können“, sagt sie - deswegen hatte es immer schon auch diesen Raum gewesen. „Da war oft meine ganze Garage voll mit Gestecken und Sträußen.“

Kick-In Schmallenberg Blumenladen schließt
Noch findet man Blumen in der Ladenzeile - Ende der Woche ist damit Schluss. © WP | Katharina Kalejs

Ab dem 1. März soll auch der Verkauf aus der Werkstatt in Westfeld heraus laufen, die oberhalb vom Hotel Bischof in der Straße „Am Birkenstück 5“ liegt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Täglich fährt Marion Struwe Dinge hin und her, schon mehrfach wurden Einrichtungsgegenstände mit dem Anhänger nach Westfeld gefahren. „Das fällt mir richtig schwer“, gibt sie zu. „Ich habe hier ganz viele tolle Kunden und Stammkunden, und ich bin jahrelang jeden Tag den Weg von Westfeld nach Schmallenberg gefahren. Das wird mir sehr fehlen.“

Warum Blumen Kick-In aus Schmallenberg wegzieht

Noch schwieriger sei es, die Entscheidung immer wieder neu zu erklären. Gerüchte, dass das Geschäft schließen würde, gebe es schon lange, die habe sie immer dementiert. Jetzt erklären zu müssen, dass es ja in Westfeld weitergehe, sei nicht immer einfach, und auch den Laden Stück für Stück zusammen zu packen, sei etwas, das sie sehr belaste.

Kick-In Schmallenberg Blumenladen schließt
Liebevoll handgemachte Sträuße und Gestecke sind Marion Struwes Spezialität. © WP | Katharina Kalejs

Aber am Ende, sagt sie, war es eine Entscheidung für die Familie: „Meine Kinder sind jetzt sechs und neun Jahre alt - und ich möchte einfach mehr an ihrem Leben teilhaben, auch mal ein bisschen Alltag mit ihnen erleben.“ Das sei als Selbstständige gar nicht leicht - vor allem, weil das Personal fehlt. Seit anderthalb Jahren hatte sie nur noch eine weitere angestellte Floristin; aber auch die geht jetzt in den Mutterschutz und fällt damit weg. „Arbeit hätten wir aber mindestens für drei Floristinnen.“

Kick-In Schmallenberg Blumenladen schließt
Schon jetzt werden täglich Dinge von Schmallenberg nach Westfeld gefahren. © WP | Katharina Kalejs

Doch Floristinnen fänden sich nur noch schwer, erzählt sie. „In den letzten vier Jahren hatte ich nicht eine Bewerbung von einer Floristin.“ Dabei sei es so wichtig, gute Fachkräfte zu haben. Gerade bei „Kick-In“ ist vieles noch Handarbeit, alle Sträuße und Gestecke werden selbst gemacht, dazu gibt es verschiedene Deko mit Trockenblumen, die sie alle selbst herstellt. „Mittlerweile ist die Berufsschule für Floristen in Dortmund - ich hab ganz viele Eltern hier stehen gehabt, deren Kinder gern die Lehre gemacht hätten, die aber nicht wissen, wie sie ihre 16-Jährigen zwei Mal in der Woche nach Dortmund in die Schule bekommen. Das macht es unfassbar schwierig, Nachwuchs zu finden.“

Ein Ausblick auf die Zukunft: Aufhören keine Option

Ein Branchenproblem also. Aber Marion Struwe will nicht aufhören. „Ich weiß gar nicht, ob ich nochmal irgendwo in Anstellung arbeiten könnte - ich liebe meinen Job“, sagt sie. Ein Jahr möchte sie dem neuen Standort in Westfeld die Chance mit dem klassischen Blumengeschäft aus der Werkstatt heraus geben, dann möchte sie ein Fazit ziehen. „Wenn das nicht funktioniert, dann setze ich eben nur noch auf Eventfloristik und suche noch mehr Großkunden.“

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Doch die meisten Kunden verstehen die Entscheidung von Marion Struwe - und sind schon gespannt auf das neue Ladenlokal in Westfeld. Auf die Frage, wie lange sie noch in Schmallenberg sei, folgt meistens direkt die Aussage, dass man sie ja dann besuchen kommen müsse. Und auch für die, die nicht nach Westfeld kommen können, können weiterhin „Kick-In“-Blumen bekommen: Wenn es möglich ist, will Marion Struwe Blumen nach Schmallenberg liefern.

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