Balve/Menden. Autorin Antonia Mertens testet den „Dry January“. Sie will wissen, wie ein Monat ohne Alkohol ist.

Antonia Mertens ist freie Mitarbeiterin der Westfalenpost und macht den Selbsttest zum „Dry January“. Sie berichtet über ihre persönlichen Erfahrungen beim Alkoholfasten.

Einen Monat keinen Alkohol trinken: Das habe ich, Antonia Mertens, mir vorgenommen. Dry January“, also „trockener Januar“, heißt der Trend. Seit knapp zwei Wochen verzichte ich jetzt schon auf das Kneipenbier mit Freunden oder den Wein am gemütlichen Abend. Eigentlich fällt es mir nicht schwer, darauf zu verzichten. Trotzdem erwische ich mich selbst dabei, dass ich die Geselligkeit beim Bier mit Freunden vermisse. Und das obwohl ich mir mit alkoholfreiem Bier vorgaukle, dass alles beim Alten wäre.

„Trotzdem erwische ich mich selbst dabei, dass ich die Geselligkeit beim Bier mit Freunden vermisse.“

Antonia Mertens

Gewohnheiten erkennen und durchbrechen

„Der Januar hat vier Wochenenden. Also verzichte ich ja eigentlich bei höchstens vier Parties oder Kneipenabenden auf Alkohol“, rechnete ich Ende Dezember. Unter der Woche trinke ich sowieso keinen Alkohol, dachte ich mir. Und viermal schmeckt mir auch alkoholfreies Bier. Denn, wenn ich ganz ehrlich bin, die meisten 0,00-Biere schmecken mir genauso gut wie die mit Prozenten. Aber was ist mit dem typischen Fußballbier? Das Feierabendbier nach einem langen Tag in der Universität? Der Sekt beim Geburtstagsfrühstück einer Freundin? Die schleichen sich zwar nur alle paar Wochen in mein Leben, aber trotzdem tauchen sie immer mal wieder auf.

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In Deutschland wollte im Jahr 2022 jeder Fünfte beim Dry January mitmachen. In meiner Generation, also bei den 18- bis 29-Jährigen, war es sogar knapp die Hälfte. Das kam bei einer Umfrage der Online-Statistik-Plattform Statista heraus. Der Trend scheint gut anzukommen. Aber zwischen „Mitmachen wollen“ und „sich wirklich daran halten“ liegt ein Monat Durchhaltevermögen. Zahlen dazu, wie viele dann vielleicht doch schwach werden, gibt es allerdings nicht.

Antonia Mertens testet sich selbst: Schafft sie es, einen Monat gänzlich auf Alkohol zu verzichten und wie fühlt es sich an?
Antonia Mertens testet sich selbst: Schafft sie es, einen Monat gänzlich auf Alkohol zu verzichten und wie fühlt es sich an? © Antonia Mertens | Antonia Mertens

Menschen halten verzichten im Januar lieber, als im Dezember

Es scheint aber, als würden sich viele an ihr Ziel halten. Ganze 50 Prozent weniger Alkohol wurden im Januar 2024 im Vergleich zum Dezember 2023 eingekauft. Laut dem Statistischen Bundesamt zügeln sich die Deutschen im Januar aber nicht nur beim Alkohol. Ein weiterer Trend zum Jahresbeginn ist der „Veganuary“, also der vegane Januar. So kauften die Deutschen im selben Zeitraum auch 30 Prozent weniger Fleisch und 60 Prozent weniger Süßigkeiten. Natürlich ist der Dezember durch die Weihnachtszeit besonders überladen von Naschereien, gutem Essen und Alkohol, aber auch im Jahresvergleich halten sich die Deutschen im Januar besonders zurück.

„Komplett auf Alkohol zu verzichten, da bin ich ganz ehrlich, kommt für mich nicht infrage. Um das Schützenfestbier würde ich besonders trauern.“

Antonia Mertens

Das könnte an den besonders ambitionierten Jahresvorsätzen liegen, die im Januar noch beherzt durchgezogen werden und über das Jahr an Bedeutung verlieren. Dazu „können auch andere Faktoren wie Kalendereffekte oder saisonale Schwankungen durch das Ausbleiben feierlicher Anlässe sowie die Entwicklung der Verbraucherpreise beim Absatz im Lebensmitteleinzelhandel eine Rolle spielen“, schreibt das Statistischen Bundesamt.

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Kompletter Verzicht auf Alkohol aktuell nicht denkbar

Natürlich hat ein Alkoholverzicht auch viele positive Auswirkungen auf den Körper und die Gesundheit. Die Leber kann sich erholen, der Schlaf wird besser, die Haut strahlt und die Laune wird besser, weil sich der Dopamin-Haushalt reguliert. Und eins steht fest: Es gibt keinen risikofreien Alkoholkonsum. Zwar gelten zwei kleine Gläser Wein pro Woche als risikoarm, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, dennoch hänge Alkohol mit mehr als 200 negativen gesundheitlichen Folgen zusammen. Komplett auf Alkohol zu verzichten, da bin ich ganz ehrlich, kommt für mich nicht infrage. Um das Schützenfestbier würde ich besonders trauern. Gut, dass die Saison erst im Mai beginnt.

„Bewusst keinen Alkohol trinken, fällt mir nicht schwer. Ich kann, wie man so schön schrecklich sagt, auch ohne Alkohol Spaß haben. “

Antonia Mertens

Wie schnell der Alkoholverzicht in Vergessenheit gerät, wurde auch mir schon schlagartig bewusst. Auf einer Feier sollte ich das Bier einer Freundin halte. „Trink ruhig“, sagte sie gedankenverloren. Und ich? Kurz bevor ich das Bier ansetzen konnte, wurde es mir plötzlich bewusst: „Ich trinke doch gar nicht!“ Fast hätte ich mein Fasten gebrochen. Und das nur durch einen unaufmerksamen Moment. Kein einziges Mal war ich bisher neidisch auf Freunde, die in meiner Anwesenheit Bier getrunken haben. Kein einziges Mal überlegte ich auch nur, eine Ausnahme zu machen. Bewusst keinen Alkohol trinken, fällt mir nicht schwer. Ich kann, wie man so schön schrecklich sagt, auch ohne Alkohol Spaß haben. Aber der Freundschaftsschluck Bier aus Gewohnheit hätte es mir fast versaut.

Ende des Monats berichte ich noch einmal von meinen Erfahrungen: Habe ich durchgehalten? Wie gehen meine Freunde mit meinem Alkoholfasten um? Versuchen sie mir den Alkohol schmackhaft zu reden? Wie wird die erste Party? Wie fühlt es sich an, nüchtern feiern zu gehen? Und wie geht es mir und welche Veränderung spüre ich? Ich bin gespannt.