Brilon. Gewalt gegen Polizisten nimmt zu. Die HSK-Polizei nennt Zahlen. Polizeigewerkschafter Sven Brandes sagt, warum es zu mehr Übergriffen kommt.
Die Polizei im Hochsauerlandkreis wurde gerufen, als ein Randalierer sich in einer Wohnung befinden sollte. Nach dem Eintreffen der Beamten sperrte er sich im Badezimmer ein. Beim Öffnen der Tür stach er sofort mit einem Messer durch den Türspalt und traf einen Polizisten knapp oberhalb des Auges an der Stirn. Der Vorfall aus dem Oktober 2023 ist ein Beispiel, das Sven Brandes, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Kreisgruppe HSK, auf Nachfrage zur zunehmenden Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte (PVB) nennt.
Anstieg der Gewalt gegen Polizisten in ganz NRW
Die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizisten ist laut Angaben der Polizei NRW 2023 deutlich gestiegen und bleibt auf einem hohen Niveau. Nach einem Rückgang während der Pandemie verzeichnete man 2022 noch 8.264 Fälle, während die Zahl 2023 um fast 20 Prozent auf 9.829 Fälle anstieg. Dieser Anstieg korrespondiert mit dem allgemeinen Zuwachs an Gewaltkriminalität.
Auch die Zahl der betroffenen Polizisten als Opfer von Gewalt stieg von 20.163 im Jahr 2022 auf 23.823 im Jahr 2023. Häufigste Delikte sind Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und tätliche Angriffe. Im Jahr 2023 wurden 4.514 Polizisten während ihrer Arbeit verletzt, 24 davon schwer. Trotz der Zunahme bleibt die Aufklärungsquote bei diesen Delikten weiterhin sehr hoch, wie die Polizei NRW mitteilt. Auf Täterseite ist ein Anstieg vor allem in den jungen Altersklassen erkenntlich.
Die Entwicklung der Fallzahlen spiegelt sich auch im Hochsauerlandkreis wider, wie die Zahlen zeigen, die Polizeihauptkommissar Michael Schemme von der Kreispolizei des HSK auf Anfrage bereitstellte.
Bedrohungslage ist auch psychisch belastend
„Die steigende Zahl der Übergriffe im Land ist auch bei uns in der Behörde zu beobachten“, sagt Sven Brandes. Die niedrigen Zahlen der Jahre 2020 und 2021 seien auf die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen zurückzuführen. Inzwischen haben die Übergriffe wieder ein Niveau erreicht wie vor Corona.
Brandes verweist auf die psychischen Belastungen, die durch die ständigen Angriffe entstehen. „Die Bereitschaft zur Gewalt gegenüber Einsatzkräften ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, das belastet sehr!“
Gefahr durch alkoholisierte Gruppen
Die meisten Übergriffe geschehen, wie Brandes erklärt, im Rahmen von Einsatzsituationen. Dadurch stehen die Personalien der Angreifer oftmals fest. Die Aufklärungsquote der Übergriffe liege daher immerhin bei über 96 Prozent landesweit in den Jahren 2022 und 2023. Genaue Zahlen für den HSK konnte er nicht nennen.
Grundsätzlich sei es schwieriger, wenn viele alkoholisierte Menschen an Einsatzorten sind. „Dann steigt bei einigen die Aggressionsbereitschaft und die Hemmschwelle zu Übergriffen sinkt, insbesondere wenn sich mehrere alkoholisierte Personen in einer Gruppe befinden“, führt Brandes aus. Gleiches gelte für Personen, die unter dem Einfluss anderer Betäubungsmittel stehen.
Fortbildungen und neues Equipment
Dennoch könne es auch bei vermeintlich Routine-Einsätzen immer wieder zu Übergriffen kommen. Um sich zu schützen, besuchen Polizeibeamte daher regelmäßig im Jahr Fortbildungen, in denen sie auf derartige Situationen vorbereitet werden.
Ebenfalls könnte der flächendeckende Einsatz von Distanz-Elektroimpulsgeräten (DEIG) helfen, die Situation zu verbessern, so Brandes: „Dies zeigen Erfahrungen der Behörden, die bereits mit solch einem Gerät ausgestattet wurden. Oftmals reicht die Androhung aus, um Übergriffe auf unsere Kolleginnen und Kollegen zu verhindern.“