Langenberg. Das Wetter wird immer unberechenbarer, die Ausreißer nehmen zu. Für Handwerker, die im Freien arbeiten, eine besondere Herausforderung.
Starkregen und schwere Gewitter sind gerade erst über Deutschland gezogen. Die Zahl der Hitzetage im Sommer nimmt zu. Sogenannte Extremwetterereignisse nehmen zu, das belegen diverse Studien. Und sie betreffen nicht nur Landwirte, die bei ihrer Arbeit sehr vom Wetter abhängig sind. Nein, auch alle anderen, die draußen arbeiten, müssen sich auf solche Ereignisse einstellen.
Noch ist der Sommer nicht da, noch halten sich die Temperaturen im normalen Maß. Doch es ist noch gar nicht so lange her, da blieb es tage-, ja wochenlang sonnig, heiß und trocken. „Wir sind vorbereitet“, sagt dazu Sabrina Kleeberger, die Gerüstbauer Jörg Motzkau im Büro den Rücken freihält.
Viel trinken - im Team Motzkau aus Velbert kein Problem
Das fange bei ganz simplen Maßnahmen an, erläutert sie: „Wir haben eine Getränkeflat für unsere Mitarbeiter.“ Heißt: „Hier steht kistenweise Mineralwasser, das sich die Kollegen auch mit auf die Baustelle nehmen können.“ Je nach Wetter gibt es auch noch einen Kanister mit klarem Wasser auf den Wagen. „Um sich mal abzukühlen, ein bisschen Wasser ins Gesicht, die Hände waschen.“
Ein bisschen aufwendiger geht es bei dem Langenberger Gerüstbauer dann zu, wenn es um die Kleidung geht. „Also zunächst einmal empfehlen wir lange Kleidung“, sagt Sabrina Kleeberger. Dazu gibt es Helme mit Nackenschutz, „denn da bekommt man in der Regel die meiste Sonne ab“. Genug Creme gebe es natürlich auch - und ausreichend Pausen.
Spezielle Kleidung hält während der Arbeit kühl
Und wer mag, kann während der Arbeit sogar spezielle Kühlkleidung tragen. „Die wird in Wasser gelegt, das Wasser zieht ein und dann kühlt die, ohne dass man nass wird“, erläutert Sabrina Kleeberger die Funktionsweise. Halstücher, Wadenwickel und mehr stünden zur Verfügung.
„Diese Kleidung kommt auch nicht nur im Sommer zum Einsatz“, erläutert die Mitarbeiterin aus dem Motzkau-Team. „Wenn wir beispielsweise in Fabriken arbeiten, zum Beispiel Maschinen einrüsten, kann es auch ganz schön warm werden.“
Gewitter sind ein großes Sicherheitsrisiko
Doch nicht nur Sonne und Hitze setzen den Gerüstbauern zu. Auch wenn es regnet, ist es auf der Baustelle nicht unbedingt angenehm. „Wobei nur Regen geht eigentlich“, sagt Sabrina Kleeberger. „Sobald aber ein Gewitter aufzieht, brechen wir ab.“ Denn Blitze und Gerüste aus Metall seien in Kombination „ein sehr großes Sicherheitsrisiko“.
Damit ist Jörg Motzkau mit seinem Team auf einem guten Weg. Das bestätigt auch eine Mitteilung der Gewerkschaft IG Bau: „Die Arbeit in praller Sonne kann krank machen“, sagt deren Düsseldorfer Bezirksvorsitzender Tino Brüning. UV-Strahlung und Hitze würden fast immer unterschätzt. Vom Hautkrebs bis zum Kreislaufkollaps: „Jobs unter freiem Himmel sind gefährlich.“
Gewerkschaft rät: „Auf Signale des Körpers achten“
Die Gewerkschaft rät dabei, nicht nur auf den richtigen Schutz zu achten, sondern auch die Signale des eigenen Körpers im Blick zu behalten: „Dazu gehören Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Müdigkeit, übermäßiger Durst und Krämpfe. Aber auch Unruhe, Aggressivität und Verwirrtheit“, erläutert Tino Brüning. Schatten durch Sonnensegel und regelmäßige Pausen seien wichtig. Vor allem aber auch intensives Eincremen mit Sonnenmilch und regelmäßiges Trinken: Die Gewerkschaft empfehle drei bis fünf Liter Wasser an Sonnentagen.
Soweit zur Arbeit im Freien - aber es gibt auch genügend Menschen, die im Büro sitzen oder in geschlossenen Räumen ihrem Job nachgehen. Auch für die gelten gewisse Regeln, die in der Arbeitsstättenverordnung festgelegt sind. Die fordert zunächst einmal allgemein „gesundheitlich zuträgliche Raumtemperaturen und den Schutz gegen übermäßige Sonneneinstrahlung“.
Es gibt kein Recht auf „Hitzefrei“
Was das genau bedeutet, legt die „Arbeitsstättenregel ASR 3.5, Raumtemperatur“ fest: Wärmer als 26 Grad Celsius soll es demnach in Arbeits- und Sozialräumen nicht werden - es sei denn, im Sommer wird es draußen deutlich heißer. Ist das der Fall, „können die Beschäftigten bei Lufttemperaturen in Arbeitsräumen in den Stufen bis +30 °C, bis +35 °C und darüber weiter tätig sein, vorausgesetzt, der Arbeitgeber ergreift geeignete Schutzmaßnahmen“, heißt es in der Regelung.
Achtung: Trotz dieser Regelungen gibt es für Beschäftigte keinen direkten Rechtsanspruch beispielsweise auf klimatisierte Räume, oder „Hitzefrei“. Nach Paragraf 4 des Arbeitsschutzgesetzes ist der Arbeitgeber dann aber verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden wird und verbleibende Gefährdungen gering gehalten werden.
Winterflaute im Handwerk kaum Thema
Für Gerüstbauer Jörg Motzkau sind die Wintermonate längst keine Zeit mehr, in der die Arbeit weniger wird. „Natürlich ist im Sommer mehr zu tun für uns“, sagt Sabrina Kleeberger. „Aber auch im Herbst und Winter können wir uns nicht beklagen.“
Denn der Langenberger Gerüstbauer ist nicht nur auf Außenbaustellen im Einsatz. „Wir bieten auch Speziallösungen an“, erläutert Sabrina Kleeberger. So müssten immer mal wieder Maschinen in Fabriken eingerüstet werden. „Das sind oft Arbeiten, die in den Wintermonaten anstehen.“