Gelsenkirchen-Erle. An der A2 in Gelsenkirchen-Erle wird eine neue Lärmschutzwand gebaut – aber nur auf einer Seite. Wird es auf der Südseite sogar lauter als zuvor?

Wer direkt an oder in der Nähe einer Autobahn wohnt, der kennt das Problem: Lärm. Gerade im dichtbesiedelten Ruhrgebiet führen die Autobahnen oft direkt an Wohngebieten vorbei, das gilt auch für die A2 in Gelsenkirchen-Erle. Dort soll jetzt eine neue Lärmschutzwand gebaut werden. Allerdings nur auf einer Seite der Autobahn – und das sorgt gerade für Streit.

Im vergangenen Juli hatte Autobahn Westfalen, die zuständige Behörde, den Bau einer Lärmschutzwand in Erle angekündigt, auf der nördlichen Seite der A2. Das Bauwerk soll 500 Meter lang und bis zu sechs Meter hoch werden und die Anwohnerinnen und Anwohner der Straßen Birkenkamp und Winkelmannshof vor dem Autolärm schützen. Im Oktober haben bereits die Vorarbeiten begonnen, Bäume wurden gefällt, die Autobahnböschung wurde angepasst, die Baustelle vorbereitet.

Mitte des Jahres, so der Plan, soll die neue Wand stehen. Bisher endet die Wand, aus Richtung Gladbeck kommend, vor dem Erler Tunnel, geht dann in einen Lärmschutzwall über. Künftig soll sie vom Tunnel in östliche Richtung bis ungefähr zum Golfplatz führen.

Anwohner in diesem Gelsenkirchener Wohngebiet machen sich Sorgen

Darüber hinaus will Autobahn Westfalen zwischen dem Tunnel und der Rastanlage Resser Mark in beiden Fahrtrichtungen einen speziellen Asphalt einbauen, Fachbezeichnung „lärmtechnisch optimierter Splittmastixasphalt“. Dieser soll für Autos eine Reduzierung des Lärms um 2,8 Dezibel und für Lkw sogar von 4,6 Dezibel bringen. Die Kosten für die Maßnahme liegen nach Angaben von Autobahn Westfalen bei 4,6 Millionen Euro.

Doch die Pläne sorgen nicht für ungeteilte Begeisterung. Denn die Wand wird nur auf der nördlichen Seite der Autobahn gebaut – für die südliche Seite ist kein solches Bauwerk geplant. Dort liegt die Siedlung An der Gräfte: Menschen dort befürchten jetzt, dass die Lärmschutzwand an der Nordseite der Autobahn zwar die Bewohnerinnen und Bewohner dort schützt, dafür aber den Verkehrslärm auf ihre Seite reflektiert – im Endeffekt, so die Befürchtungen, wäre es dann An der Gräfte lauter als zuvor.

Gelsenkirchener Landtagsabgeordneter stellt Kleine Anfrage

Sebastian Watermeier, SPD-Landtagsabgeordneter, hat deshalb bereits eine Anfrage an die Landesregierung gestellt. „Ich kann die Sorgen der Menschen aus der Siedlung An der Gräfte, die südlich der Autobahn A2 liegt, nicht nur nachvollziehen, sondern teile ausdrücklich deren Ängste hinsichtlich der Verstärkung des Lärms in ihrem Bereich“, so Watermeier.

Auch in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung Ost stand das Thema auf der Tagesordnung: Werner Pidun (SPD) wollte von der Stadt wissen, „welche Möglichkeiten der Einflussnahme die Verwaltung bei der Autobahn GmbH habe, um auch den Interessen der südlichen Anwohner gerecht werden zu können“.

Bezirksbürgermeister Heidl: „Zur Not gründen wir eine Bürgerinitiative“

Denn, so viel ist klar, die Verantwortung für den Bau liegt nicht bei der Stadt, sondern beim Bund, in diesem Fall Autobahn Westfalen. Die Stadt kündigte allerdings an, Lärmmessungen durchführen zu wollen: „Eine entsprechende Überprüfung nach den Kriterien der Lärmsanierung für die Südseite der A2 östlich des Tunnels Erle ist ausstehend“, heißt es in der Antwort der Verwaltung auf die Anfrage des Bezirksverordneten.

Die Verwaltung wies allerdings auch darauf hin, dass die geplante Lärmschutzwand an der Nordseite der A2 „hochabsorbierend“ ausgeführt werde. Das heißt: Mögliche Reflexionen des Verkehrslärms in Richtung Süden würden durch eine spezielle Bauweise der Wand minimiert. Auch der neue Fahrbahnbelag werde dafür sorgen, dass es auch südlich der Autobahn leiser würde.

Bezirksbürgermeister Wilfried Heidl zeigte sich dennoch etwas skeptisch. „Ich hoffe, dass das was bringt“, sagte er. „Sonst gründen wir eine Bürgerinitiative.“