Duisburgs Haus der Unternehmer war früher eine Kaserne
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Duisburg. . Wo sich heute die regionale Wirtschaft trifft, gingen früher Wehrmachtsoffiziere ein und aus. Jahrzehnte nutzte die Rheinarmee die Glamorgan Barracks.
Eine Brauerei solle entstehen, munkelte man zunächst in der Nachbarschaft, als hinter Planen gebuddelt und gebaut wurde. Doch aus dem Traum vom kühlen Bier wurde nichts, Bauherr war schließlich das Luftgaukommando VI von Hitlers Wehrmacht. Statt Braukesseln kamen Flakbatterien auf das große Gelände an der Grenze von Wanheim, Wanheimerort und Buchholz. Was heute von der militärischen Anlage geblieben ist, dient als Haus der Unternehmer – und dort gibt’s ab und an immerhin ein Bier.
Zwar kommt heute manches mal noch ein geharnischtes Wort aus dem Unternehmerhaus, wenn’s etwa gilt, den Gewerkschaften die Stirn zu bieten, aber als es gebaut wurde, ging’s um Rüstung, genauer: Aufrüstung. Das von den Nazis regierte Deutschland bereitete sich auf den Zweiten Weltkrieg vor, Duisburg war als Stahlstandort von enormer Bedeutung für diese Pläne und musste geschützt werden.
Briten bezogen ehemalige deutsche Kaserne 1948
So entstand 1937 auf damals noch freier Fläche zwischen der heutigen Düsseldorfer Landstraße und der Oberen Kaiserswerther Straße eine ausgedehnte Kaserne für Flak-Einheiten. Doch auch deren Flugabwehrgeschosse konnten nicht verhindern, dass 1945 Deutschland am Boden und Duisburg eine Trümmerwüste war. Auch die Kaserne war Ende 1944 durch Bomben stark beschädigt worden.
Was aber die Sieger nicht hinderte, die Kaserne wiederherzustellen und sie 1948 erneut zu beziehen. „Glamorgan Barracks“ hieß der Standort der britischen Rheinarmee bis 1993. In Zeiten des Kalten Krieges waren die Soldaten von der Insel hochwillkommen, bei Tagen der offenen Tür durften Duisburger auf Panzer klettern. Blut floß dennoch, aber nur einmal: Am 13. Juli 1988 wurden neun britische Soldaten bei einem Anschlag der irischen IRA auf die „Glamorgan Barracks“ verletzt.
Britische Rheinarmee zog 1993 aus Duisburg ab
1993 war Zapfenstreich in der Kaserne, und zwar der letzte. Der Union Jack wurde eingeholt, neue Soldaten waren nicht in Sicht in Zeiten von deutscher Wiedervereinigung und Auflösung der einstigen Blöcke in Ost und West.
Ein neues Wohnviertel sollte entstehen, wo einst die Soldaten wohnten, die Kasernen wurden abgerissen – bis auf eine Ausnahme (eigentlich zwei): Das frühere Offizierskasino blieb erhalten, steht seit 1996 sogar in der Denkmalliste.
Ende der 90er Jahre kaufte der Unternehmerverband der Metallindustrie Ruhr-Niederrhein das Backsteingebäude mit dem typischen Walmdach. Ab 1999 wurde das Kasino nach Originalplänen aufwendig restauriert und zugleich modernisiert. Ein Verwaltungstrakt und ein rundes Auditorium mit Tagungsräumen wurden angebaut, eine moderne Tagungs- und Veranstaltungsstätte entstand. Und das zweite Überbleibsel der Kaserne ist ein Tor und steht in England.
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