Gelsenkirchen. Heftige Rückschläge wie in Frankfurt kann sich die Mannschaft in der Bundesliga nicht mehr leisten. Es ist Zeit für klare Worte. Ein Kommentar.

„Abstiegskampf ist vielleicht ein bisschen übertrieben“, sagte Schalke-Profi Alessandro Schöpf, „aber auf jeden Fall lügt die Tabelle nicht.“

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„Die Gefahr, dass die Stimmung kippt, sehe ich nicht“, sagte Schalke-Trainer Domenico Tedesco, nachdem die mitgereisten Fans der Mannschaft diesmal den anerkennenden Applaus verweigert hatten.

Wenn sich die beiden da mal nicht täuschen.

Es ist Zeit für Tacheles

Viele Anhänger wollen nicht mehr hören, dass die Mannschaft 60 Minuten lang irgendetwas gut oder sogar super gemacht habe, wenn sie am Ende dann doch so deutlich verliert wie beim 0:3 in Frankfurt. Okay, es gab zuletzt eine ordentliche Serie mit nur einer Niederlage in neun Pflichtspielen. Aber solche heftigen Rückschläge kann sich Schalke in der Bundesliga nach dem Start mit fünf Niederlagen nicht leisten. Es ist nicht mehr die Zeit für Augenwischerei, es ist Zeit für Tacheles.

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Elf Spiele, zehn Punkte, acht Tore, ein Punkt vor dem Relegationsplatz, zwei Punkte vor den Abstiegsrängen. Das sind die Fakten. Und das nennt man übrigens sehr wohl Abstiegskampf.

Es hilft nicht, die Realitäten zu ignorieren. In der Bundesliga gibt es keine Bonuspunkte für in der vergangenen Saison Geleistetes. Der Gedanke, dass Schalke schon stark genug sein wird, um irgendwie da unten rauszukommen, ist gefährlich. Wenn die Spieler so denken, ist dies ein Teil des Problems.

Dortmunder High-Speed-Fußball vs. Schalkes Schneckentempo

Wer am Samstag die Dortmunder Hochgeschwindigkeitsfußballer sah und dann am Sonntag die Schalker Tempoverschlepper – dazwischen lagen Welten. Man kann die beiden Teams nicht miteinander vergleichen? Doch, kann man. Vor allem unter dem Aspekt, dass die Schalker dank ihrer zurückgewonnenen Stabilität zum Saisonschluss im Mai vor den Dortmundern gelandet waren, die durch Wechsel von Trainern und Verluste von Stars ständig mit ihrer Instabilität zu kämpfen hatten.

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Aber der BVB zog im Sommer die richtigen Lehren. Auf Schalke hingegen herrschte offenbar der Irrglaube vor: Jetzt läuft’s, und so kann es weiterlaufen. Es ist nicht gelungen, den Wechsel von Leon Goretzka zu den Bayern zu kompensieren. Es ist auch nicht gelungen, der Mannschaft Spielkultur und Tempo hinzuzufügen. Das muss sich bei einem solchen Zwischenergebnis Sportvorstand Christian Heidel vorhalten lassen. Und warum die Schalker bisher nur selten über 90 Minuten Höchstleistungen abgerufen haben, gehört zu den Fragen, die sich Trainer Domenico Tedesco stellen lassen muss. Seine Taktik, das Spiel des Gegners zu zerstören, ihn möglichst fern vom eigenen Tor zu bekämpfen und vorne auf übersinnliche Hilfe zu hoffen, geht nicht mehr auf. Es fehlen Überraschungseffekte, es fehlt auch ein erkennbarer Plan B nach Rückständen.

Trainer Tedesco hat im Klub, bei den Fans und auch bei den Medien mit Recht mehr Kredit als die meisten seiner Vorgänger. Er hat es sich in seiner ersten Saison auf Schalke verdient, dass man ihm Zeit gibt und nicht reflexartig nach Entlassung schreit. Aber es muss erlaubt sein zu hinterfragen, warum diese Mannschaft sowohl Kreativität als auch Durchschlagskraft vermissen lässt. Wenn sich nicht zügig vieles ändert, werden auch Spieler wie Alessandro Schöpf das Wort Abstiegskampf nicht mehr übertrieben finden.