Wolfsburg. Wolfsburg gönnt sich Profis für geschätzt mehr als 20 Millionen Euro. Felix Magaht hat in der VW-Stadt völlig frei Hand. Beim Autobauer glaubt man an Magaths Masterplan.

Felix Magath geriet ins Schwärmen. Alexander Hleb? "Wird eine wichtige Rolle im Team übernehmen." Sotirios Kyrgiakos? "Wird den VfL sofort verstärken." Rasmus Jönsson? "Wird Wolfsburg helfen." Man könnte diese Szenen aus dem vergangenen Sommer fast beliebig fortführen. Der VfL Wolfsburg verpflichtete damals insgesamt zwölf neue Profis. Magath war jeweils begeistert und voll in seinem Element. Vielleicht ein wenig spleenig, ganz sicher verdammt kostspielig - vor allem aber: Kaum erfolgreich.

Mehrere Millionen für neue Spieler

Nur Platz zwölf nach der Hinrunde. Magaths Mittel gegen Mittelmaß mag da maßlos erscheinen: Er setzt seine Shoppingtour auch im Winter fort. Hier vier Millionen Euro für Petr Jiracek aus Pilsen, da 4,5 Millionen für Vierinha von PAOK Thessaloniki, zuletzt auch noch 5,8 Millionen für Giovanni Sio vom FC Sion.

Am Donnerstag folgten in Innenverteidiger Felipe Lopes vom portugiesischen Erstligisten CD Nacional Funchal und Mittelfeldspieler Ibrahim Sissoko von dessen Ligakonkurrenten Academica de Coimbra bereits die Neuzugänge Nummer sechs und sieben der Winterpause. Geschätzt mehr als 20 Millionen investierte der Verein bislang für neue Spieler. Masche oder doch Methode? Zumindest bei Klubeigner Volkswagen glaubt man weiter an Magaths Masterplan.

In Wolfsburg gibt es keine Gewaltenteilung

Seit der Trainer den bis dahin farblosen Klub 2009 zur deutschen Meisterschaft führte, scheint manch VW-Verantwortlicher bei Magath fast schon übersinnliche Kräfte zu vermuten. Man vertraut dem VfL-Coach, - Manager und -Geschäftsführer bedingungslos. Mit allen Konsequenzen. Was Magath will, fordert und beschließt, ist Gesetz. Gewaltenteilung gibt es in Wolfsburg nicht. Auch die sportliche Fachkompetenz ist bei den Entscheidern im Verein allein Magath vorbehalten. Das ist risikoreich.

Als Felix Allmächtig den VfL nach dem Titelcoup vor zweieinhalb Jahren in Richtung Schalke 04 verließ, entstand ein Vakuum, das nicht zu füllen war. Armin Veh und Steve McClaren scheiterten als Trainer, Dieter Hoeneß als Manager. Im März 2011 kehrte Magath zurück und rettete den Verein vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit. Denkmalpflege in eigener Sache. Fast folgerichtig lässt man ihn nun machen. Unkontrolliert. Kritiklos. Und mit reichlich Geld zum shoppen. Zwei, drei, vielleicht vier weitere neue Profis sollen in den nächsten Wochen kommen. Allen voran das Schweizer Top-Talent Ricardo Rodriguez - knapp zehn Millionen Euro teuer.

VW-Chef Winterkorn hat "guten Eindruck"

"Das ist der Weg, den wir jetzt einschlagen wollen, mit jungen, zukunftsorientierten Leuten. Das ist der Beginn des Neuaufbaus dieser Mannschaft", sagte Martin Winterkorn zu Beginn der Woche. Der VW-Vorstandschef schaute zum Trainingsauftakt vorbei und hatte von den Neuen sofort "einen guten Eindruck". Magath wird ihm das wohl so erklärt haben. Wie schon so oft in der Vergangenheit.

Übrigens: Hleb brachte es in der Hinrunde auf 185 Einsatzminuten und hat den Verein nach Ablauf seiner Leihe schon wieder verlassen. Jönssons Bilanz: 3,4 Millionen Ablöse, 322 Spielminuten. Und Kyrgiakos? Soll gehen. In dem am Donnerstag verpflichteten Lopes steht sein Nachfolger schon bereit. (dapd)