Bochum. In den Bochumer Kammerspielen wird „Sherlock Holmes jagt Dr. Watson“ verschwankt. Komik und schale Witze, flapsige Musik und ein verworrener Plot.

Er war ein hochgewachsener Mann mit Pfeife, Deerstalker-Mütze und einem Kokain-Problem. Und jetzt gelangt der berühmte Bewohner von Baker Street 221b in den Bochumer Kammerspielen zur Bühnenreife. Doch „Sherlock Holmes jagt Dr. Watson“ entpuppt sich weniger als gewitzte Hommage an den messerschärfsten Detektiv der Literaturgeschichte, sondern pendelt etwas unentschlossen zwischen Parodie und Klamauk.

Dabei ist die Idee, den Holmes-Mythos in unsere Zeit zu holen, ohne dabei vor Hochachtung zu erstarren, keine schlechte. Die Aufführung in der Regie von Robert Gerloff basiert lose auf dem Roman „Das Zeichen der Vier“, grenzt sich aber schon im Untertitel augenzwinkernd davon ab: „Bis Seite 27 nach Arthur Conan Doyle“, heißt es dort. Will sagen: Allzu ernst sollte man den Schwank nicht nehmen.

Ein bisschen „Pulp Fiction“, ein bisschen „Twin Peaks“

So braucht es keine detektivische Spürnase, um schnell zu merken, wohin der rund zweistündige Abend läuft. Gerloff und Dramaturgin Angela Obst, die auch die Textfassung beisteuert, lassen keinen Witz am Wegesrand liegen, auch keinen schalen. Die vielen Inspirationsquellen füllen im Programmheft eine Doppelseite. Da greifen Watson und seine große Liebe Mary Morstan zur Knarre wie das Killerpärchen aus „Pulp Fiction“, da trägt jemand ein Holzscheit spazieren wie einst in „Twin Peaks“. Und wenn Sherlock und der Doktor zu den legitimen Nachfolgern von Schimanski und Thanner erklärt werden und dazu ernsthaft „Faust auf Faust“ von Klaus Lage gesungen wird, mag sich mancher im Saal ein müdes Lächeln nicht verkneifen.

Handwerklich hingegen ist der Abend gut gemacht, und auch das Ensemble ist mit sichtlicher Freude dabei. Auf der abstrakt gehaltenen Bühne von Maximilian Lindner, die ein großes Labyrinth zeigt, werden vor allem die Videos zu wichtigen Spielpartnern. So gelingt Victor IJdens das Kunststück, als Zwillingspärchen gewissermaßen doppelt aufzutreten und sich mit dem eigenen Bruder via Leinwand prächtig zu zoffen. Viele verschrobene Gestalten treten durch die knarzende Drehtür: darunter die Inspektoren des Drogendezernats (Friederike Ott und Veronika Nickl) mitsamt riesiger Pappköpfe.

In der Manier von Benedict Cumberbatch

Mittendrin im galoppierenden Nonsens versuchen Sherlock Holmes und sein Assistent Watson, die Übersicht zu behalten – gar nicht so leicht. Denn der eigentliche Krimi-Plot ist so verworren, dass auch der härteste Holmes-Fan Mühe hat zu folgen. Oliver Möller gibt den Detektiv als undurchsichtigen Grübler durchaus in der Manier von Benedict Cumberbatch aus der brillanten TV-Serie, während der Watson des Alexander Wertmann ganz der sanftmütige Doktor bleibt. Statt ins Laptop tippt er die Abenteuer nostalgisch in eine Schreibmaschine.

Viel Beifall.