Bonn. Laut einer Auswertung gab es von Januar bis Oktober 2020 in Deutschland mehr Fälle von illegalem Tierhandel als im gesamten Vorjahr.

Der illegale Tierhandel, vor allem mit Welpen, hat in Deutschland auch in Corona-Zeiten nach Einschätzung von Tierschützern weiter zugenommen. Wie der in Bonn ansässigen Deutschen Tierschutzbund feststellte (11. Januar 2021), wurden in den ersten zehn Monaten des Jahres 2020 bundesweit 75 Fälle mit insgesamt 818 Tieren registriert - mehr als im gesamten Vorjahr, als 66 Fälle mit 731 Tieren gezählt worden.

„Der durch die Corona-Pandemie ausgelöste Haustierboom und der anonyme Verkauf über das Internet machen es den Händlern besonders leicht“", meinte Fachreferentin Lisa Hoth vom Tierschutzbund. Die Behörden griffen von Januar bis Oktober bei mutmaßlich illegalen Händlern vor allem Hunde auf, insgesamt 683, aber auch zahlreiche Katzen (130) und weitere Tiere - darunter ein Löwenbaby, das im September nach dem Unfall eines Kleintransporters der A 5 in Kronau (Baden-Württemberg) aufgefallen war.

Beliebteste Rassen: Zwergspitz und Malteser

Die im Jahr 2020 am häufigsten illegal transportierten Hunderassen waren laut Auswertung Zwergspitz und Malteser. Die Dunkelziffer dürfte allerdings beträchtlich sein. Die Zusammenfassung des Tierschutzbundes stützt sich auf Medienberichte und Rückmeldungen aus Tierheimen. Die Unterbringung der sichergestellten Tiere stellt die Heime vor Herausforderungen: Die Kosten pro Tier und Tag liegt den Angaben zufolge bei durchschnittlich 21,40 Uhr.

In Nordrhein-Westfalen stieß der Tierschutzbund in seiner Auswertung im Zeitraum von januar bis Oktober 2020 auf bislang zwölf Fälle von illegalem Welpenhandel mit insgesamt 78 Tieren. "Darunter befanden sich Hundewelpen im Alter von 4 Wochen bis 4 Monaten unter anderen der Rassen Zwergspitz, Golden Retriever, Shi Tzu, Französische Bulldogge, Zwergpudel", berichtete eine Sprecherin des Verbandes auf Nachfrage der Redaktion.Herkunftsländer waren u. a. Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Frankreich.

Beispielsweise waren im Februar sechs Rassewelpen in Hagen beschlagnahmt worden. Im Juni stellten Polizisten einen völlig entkräfteten Welpen an der A3 bei Siegburg sicher, und im August hatte die Polizei in Gelsenkirchen 15 Wochen junge Hunde der Rasse Shih Tzu aus einem überhitzten Transporter gerettet.

Junge Malteser im Kühlschrank eingepfercht

Andere Fälle sind noch gar nicht berücksichtigt, weil sie vom Jahresende datieren. So stellte die Polizei in Köln Anfang Dezember in der Wohnung einer Frau vier junge, augenscheinlich für den Verkauf bestimmte Malteser-Welpen sicher, die in einem offenen Kühlschrank zusammengepfercht waren.

Der Tierschutzbund warnt seit Jahren vor illegalen Tierverkäufen. Viele der gehandelten Hunde stammen den Erkenntnissen zufolge aus qualvollen Zuchten in Osteuropa, der Transport erfolgt häufig unter tierschutzwidrigen Bedingungen. Der Auswertung zufolge wurden auch 2020 zahlreiche kranke Tiere bei diesen Transporten sichergestellt. 13 verstarben in der Folge.

Tierschützer: Internethandel regulieren

Der Tierschutzbund fordert eine Regulierung des Internethandels und eine europaweite verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung für Haustiere, um deren Herkunft rückverfolgen zu können. Ebenso bräuchte es eine bessere länderübergreifende Zusammenarbeit, um alle involvierten Personen zu fassen sowie vermehrte Kontrollen und härtere Strafen für die Täter, meinte Fachreferentin Hoth.

Der illegale Welpenhandel boomt und hat 2020 offenbar durch die Corona-Pandemie einen dramatischen Aufschwung erfahren: In den Sommermonaten, in der die Nachfrage nach Haustieren groß war, stieg die Zahl der Fälle an. Das zeigt eine Auswertung des Deutschen Tierschutzbundes zu den bekannt gewordenen Fällen aus 2019, die auch einen Ausblick auf 2020 gibt.

„Allein zwischen Januar und Oktober 2020 wurden 75 Fälle von illegalem Heimtierhandel bekannt, 818 Tiere waren betroffen. Damit liegt die Zahl der Fälle und Tiere bereits über der Gesamtzahl des Vorjahres“, berichtet Lisa Hoth, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Betroffen waren vor allem Hunde – insgesamt 683 – und mit 130 Tieren auch erstaunlich viele Katzen. Die finale Erfassung und Auswertung aller Fälle steht noch aus. Die Dunkelziffer dürfte – wie in jedem Jahr – deutlich höher liegen. „Der durch die Corona-Pandemie ausgelöste Haustierboom und der anonyme Verkauf über das Internet machen es den Händlern besonders leicht“, sagt Hoth. Der Tierschutzbund fordert daher eine Regulierung des Internethandels und eine europaweite verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung für Haustiere, um deren Herkunft besser rückverfolgen zu können. Ebenso bräuchte es eine bessere länderübergreifende Zusammenarbeit, um alle involvierten Personen zu fassen sowie vermehrte Kontrollen und härtere Strafen für die Täter.

Tierschutzbund veröffentlicht Auswertung zu 2019

Der Deutsche Tierschutzbund wertet jedes Jahr alle Fälle von illegalem Tierhandel aus, die ihm auf der Basis von Medienberichten und den Meldungen betroffener, angeschlossener Tierheime bekannt werden. In seiner Auswertung für das gesamte Jahr 2019 berichtet der Verband von 66 Fällen von illegalem Handel mit mindestens 731 betroffenen Tieren. Im Großteil der Fälle (85%) wurden Hunde gehandelt, meist Rassehunde wie Malteser, Zwergspitz und Französische Bulldogge. Besonders außergewöhnlich war 2019 die Artenvielfalt: So fanden sich neben Hunden und Katzen unter anderem auch ein Bennet-Känguru, Weißwedelhirsche, Riesenschlangen und ein Lisztaffe unter den illegal transportierten Tieren.

Tierheime kämpfen mit den Herausforderungen

Behörden übergeben beschlagnahmte Tiere in die Hände von Tierheimen. Viele der Tiere befinden sich in einem desolaten Gesundheitszustand und brauchen aufwändige Pflege. Auf den entstehenden Kosten – für einen Hundewelpen pro Tag durchschnittlich 21,40 Euro im Jahr 2019 – bleiben die Tierheime meist sitzen. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes müsste daher dringend gesetzlich festgelegt werden, dass die Behörden die Kosten für die intensive Betreuung der kranken Welpen vorzustrecken haben.