Hamburg. Nach dem erfolgreichen Protest gegen die Abrisspläne der Saga wurden die ersten Gebäude originalgetreu renoviert.

Ein bisschen wie aus der Zeit gefallen wirkte die verschachtelte Häusergruppe dort am Elbhang von Neumühlen schon seit Jahrzehnten. Das teils 140 Jahre alte Gebäudeensemble passt eben kaum zu den Glas-Stahl-Würfeln der neuen „Perlenkette“ an der Elbe. Damit wurden die alten Häuser aber auch zu einer Art Symbol, als sie der Eigentümer, das städtische Immobilien-Unternehmen Saga, vor fünf Jahren abreißen wollte.

Es folgte ein außerordentlich erfolgreiches Bürgerbegehren der Anwohnerinitiative, Proteste, politisches Hickhack und schließlich ein Kompromiss: Jetzt sind drei der fünf Häuser originalgetreu restauriert, und ein Teil der ausquartierten Mieter wird zum 1. April wieder einziehen, wie die Saga-GWG bestätigte. „Das ist schon sehr schön geworden“, sagt Karsten Schnoor, Sprecher der Initiative, der wie acht weitere der zuletzt etwa zwei Dutzend Mieter in seine alte Wohnung zurückkehren kann. Und tatsächlich bilden die restaurierten Häuser in der jetzt wieder ursprünglichen, teils tiefroten Fassadenfarbe einen spannenden Kontrast zu den vielen Büroneubauten in der mittlerweile teuren Lage. Die alten Häuser sind die letzten Überbleibsel der früheren, sehr kleinteiligen Dorfbebauung, wo damals vor allem Arbeiter und Seeleute wohnten.

Seit 1997 gehören die Häuser der Saga. Lange stritt sich die Initiative mit dem Unternehmen um eine Sanierung und kritisierte den maroden Zustand. Im Juli 2010 unterschrieben 11.800 Einwohner des Bezirks Altona ein Begehren für einen Erhalt der Elbtreppenhäuser, nachdem die Saga Neubaupläne vorgelegt hatte. Begründung: Ein Neubau sei wesentlich günstiger als eine teure Sanierung der maroden Häuser. Im Dezember 2010 übernahm aber die Bezirksversammlung Altona die Forderung der Bürger. Zwei Jahre später überraschte die Saga dann noch einmal mit einem Abrissvorstoß für einen Teil der Häuser. Wieder gab es Streit, und am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss, wonach nur ein Gebäude abgerissen und wieder aufgebaut werden soll. Gleichzeitig gab es ein Rückkehrangebot für die Mieter.

Jetzt können der Saga zufolge zwei öffentlich geförderte Häuser sowie ein frei finanziertes Haus zum 1. April bezogen werden. Die Modernisierung von Haus 5 sowie der Neubau des abgebrochenen Gebäudes sollen Ende des Jahres beginnen, teilte die Saga auf Anfrage mit. Insgesamt wird das städtische Unternehmen für die insgesamt 22 sanierten und neuen Wohnungen 7,5 Millionen Euro investieren. Die Bauarbeiten am Hang seien technisch sehr komplex gewesen und die Sanierung tatsächlich teurer als ein Neubau, hieß es zur Begründung. An allen fertigen Gebäuden wurde die Fassade beispielsweise nach Vorgaben des Denkmalschutzes saniert. Dächer und Fenster wurden erneuert, und die Kellerdecken erhielten eine moderne Wärmedämmung. Im Inneren wurden alle Türen und Dielenböden erneuert, Bäder und Heizungen sind komplett neu. Teuer sei aber vor allem der nachträgliche Einbau von Fundamenten geworden. Und das hat Folgen: Die geförderten Wohnungen, in die die ehemaligen Mieter ziehen können, kosten rund sieben Euro Kaltmiete pro Quadratmeter und Monat. Für die neuen und nicht geförderten Wohnungen verlangt die Saga aber 12,50 und 15 Euro Kaltmiete - was in Hamburg durchaus eine Spitzenmiete ist.

Initiativensprecher Schnoor zieht daher eine gemischte Bilanz: „Vier der fünf Häuser konnten wir retten. Doch so hohe Mieten wie jetzt – das haben wir nicht gewollt.“ Allerdings: Auch alle teuren Wohnungen sind bereits vermietet, heißt es bei der Saga.