Siegen. . Die DRK-Rettungshundestaffel aus Siegen arbeitet ehrenamtlich. Tier und Mensch bilden eine wichtige Einheit, die Leben retten kann.

Der Einsatz: Eine demente Person läuft in den Wald, verirrt sich. Stundenlang wird sie vermisst. Es wird dunkel. Angehörige alarmieren die Polizei. Die Entscheidung fällt: Speziell ausgebildete Hunde und deren Halter sollen nach der Person suchen.

Einsätze wie diesen fiktiven Fall, der zur Veranschaulichung dient, hat die Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein mehrmals im Jahr. Sie besteht aus rund 14 Hundeführern und zwanzig Tieren. Das Team von Staffelleiter Günter Scheid (68) arbeitet ehrenamtlich in vier Bereichen: Mantrailing, Lawinensuche, Trümmersuche und in der Flächensuche.

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Die Mitglieder trainieren mehrmals pro Woche, um im Ernstfall Menschen retten zu können. „Das ist nichts für nebenbei. Wir müssen einen richtigen Einsatzdienst leisten – mit dem Hund als Hilfsmittel“, sagt Monika Münker (53) von der Staffel. Die Hunde gehören den Mitgliedern. Viele waren zunächst Haustiere, die Spaß am Schnüffeln hatten und kamen durch Zufall zu Staffel.

Hilfskraft unterstützt Einsatzteam

Der Einsatz: Die Leitstelle alarmiert Günter Scheid und seine Kollegen von der Rettungshundestaffel. Er stellt ein Team zusammen und begibt sich samt Hund und Ausrüstung zum Einsatzort.

Hund und Haltern bilden ein Team. „Bei einem Einsatz ist immer eine Hilfskraft dabei. Man ist nie allein mit dem Hund unterwegs“, sagt Monika Münker. Das liegt zum einen daran, dass die Ausrüstung sehr umfangreich ist und sich der Hundeführer frei bewegen muss.

Zum anderen bietet die Hilfsperson Sicherheit – für den Fall, dass Tier oder Hundeführer etwas passiert. Helm, Sicherheitskleidung, Kompass, Taschenlampe, ein Erste-Hilfe-Rucksack, Wasser für Mensch und Hund, ein Funkgerät sowie ein Spielzeug zum Belohnen – all das gehört zum Einsatz. Denn eine Suche kann Stunden dauern.

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Der Einsatz: Die Einsatzleitung teilt das Gebiet in verschiedene Abschnitte ein, die Teams werden aufgeteilt. Jedes ist für etwa 10 000 Quadratmeter zuständig. Günter Scheid überlegt sich eine Such-Taktik und checkt die Windrichtung. Eine Geruchsprobe gibt es nicht – nur ein Foto von der Frau steht ihm zur Verfügung. Los geht´s.

Für die Arbeit ist eine intensive Ausbildung über zwei bis drei Jahre nötig. Das Tier darf zu Beginn nicht älter als zwei Jahre sein. Es gilt einen Eignungstest und mehrere Prüfungen zu absolvieren. Auch der Hundeführer muss einiges lernen: Geländekunde, Gesetze, Lehre vom Hund, Erste Hilfe an Mensch und Hund.

Auch eine Funkausbildung und Kenntnisse von Technik- und Betreuungsdienst sind wichtig. „Wir müssen Personen betreuen, Situationen einschätzen und eine Rückmeldung geben können“, so Münker. Einige Fortbildungen müssen jährlich wiederholt werden, andere im Rhythmus von anderthalb Jahren.

Nachsorgeteam hilft geretteten Personen

Der Einsatz: Das Tier ist schnell und konzentriert. Es läuft ohne Leine und sucht nach Personen im Wald. Die intensive Nasenarbeit ist anstrengend. Günter Scheid hält stetig Kontakt zur Einsatzleitung.

Wird ein Gebiet bei der Suche ausgelassen, muss dies dem Einsatzleiter gemeldet werden. Das kann vorkommen, wenn das Team beispielsweise auf ein Sumpfgebiet trifft oder sich in der Nähe Wildschweine aufhalten. „Der Hund zeigt dann an. Da stimmt etwas nicht – das merkt man sofort“, sagt Scheid.

Der Einsatz: Dann endlich. Günter Scheid hört aus der Entfernung seinen Hund „verbellen“ – das heißt, dass das Tier eine Person gefunden hat. Der Schäferhund liegt vor der Vermissten und zeigt an. Berühren darf das Tier die Frau nicht. Sie ist verwirrt, aber sie lebt. Günter Scheid und sein Kollege untersuchen sie und leisten Erste Hilfe. Die Einsatzleitung wird informiert.

„Demente Personen laufen manchmal herum oder haben Angst. Der Hund bleibt bei der Person bis der Hundeführer da ist“, sagt Münker. Doch nicht immer geht es so gut aus wie in diesem fiktiven Fall. „Ein Problem hat man, wenn die Person nicht mehr lebt“, sagt Scheid.

„Darauf muss man vorbereitet sein. Auch kann es sein, dass Personen vor Schmerz schreien. Oder dass die Oma eben nicht lachend auf der Bank sitzt...“, sagt Monika Münker. Deshalb steht der Staffel auch ein Nachsorgeteam aus Seelsorgern zur Verfügung. „Man braucht ein dickes Fell und hofft natürlich immer, Leute lebend zu finden“, sagt Günter Scheid.

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