Schüren. . Elf Menschen zwischen Ende 20 und Ende 50 gründen eine Kommune in Meschede-Schüren. Es geht ihnen um mehr als um das Leben Tür an Tür.
Sie sind ein bunter Haufen, elf Menschen zwischen Ende 20 und Ende 50, mit unterschiedlichen Berufen und Lebensmodellen aus Hamburg, Wuppertal oder Trier - doch es eint sie die Idee: Sie wollen auf dem Land leben, nachhaltig und gleichberechtigt. Gegenseitige Hilfe und ein solidarisches Miteinander sind die Basis, Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Verwirklicht werden soll das alles auf „Gut Möglich“ - so heißt das ehemalige Gut Grewe in Schüren seit Herbst 2017. Ein Besuch bei den Sauerländer Neubürgern.
Kauf 2017
Anfang 2017 hatten zwei Mitglieder den Hof in Schüren unter anderem von Ingrid Wiechert und Christel Hauert gekauft – auch die Frauen hatten dort schon gemeinschaftliche Wohn- und Lebensformen erprobt. Heute gehören sie zu den Beginen.
Haushaltsplan und weitere Ideen für die Zukunft
Das tägliche Miteinander ist auch im Entstehen. Gerade erst hatte die Gruppe e inen detaillierten Organisations- und Haushaltsplan aufgelegt, liebevoll gestaltet mit einer Magnetwand und bunten Zusatzerläuterungen, „weil beim Putzen und Aufräumen doch jeder eine eigene Vorstellung hat“, erklärt Sigi Drückhammer.
Als weitere Ideen für die Zukunft denkt die Gruppe an Kinderbetreuung, kulturelle Veranstaltungen, Kleintierhaltung, einen Hofladen mit eigenem Kunsthandwerk und den Ausbau des Seminarbetriebs.
Kontakt: info@gut-moeglich-meschede.de; Web:
Davor war das Gut lange ein normaler Bauernhof, dann Gastwirtschaft mit Fremdenzimmern - der Landgasthof Gut Grewe. Es gab und gibt eine Reithalle, Ställe, mehrere Wohnungen und ganz viel Platz. Allein 1000 Quadratmeter Wohn- und Gemeinschaftsfläche, dazu 2500 Quadratmeter Ställe und Scheunen, die nach und nach zu Ateliers, Werkstätten und Wohnraum aus- und umgebaut werden können. Das alles auf einem 1,2 Hektar großen Grundstück mit Bachlauf, neu angelegter Streuobstwiese, Hund, Katze und Bienen.
Humorvolle Such-Anzeige
„Humorvoll aufgesetzt“, sei er gewesen, so erinnert sich Uwe Ledermann an den ersten Hinweis bei Ebay-Kleinanzeigen. Den Wortlaut weiß er nicht mehr genau, „aber ungefähr: „Suchen Leute zum gemeinsamen Wohnen auf dem Land, Gemeinschaftssinn erforderlich, ein alter Gutshof soll erhalten und aufgebaut werden.“ Ihn und seine Frau sprach das an. Und rund 300 weitere Menschen.
„Es haben sich unglaublich viele gemeldet“, weiß Sigi Drückhammer, die auf „Gut Möglich“ mit für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Viele fanden es auch einfach toll, was Philipp und Daniela im Sauerland vorhatten und wollten ihnen Glück wünschen.“
Sie selbst stammt aus der Nähe von Hamburg und zog im Oktober 2017 ein: „Mein Mann und ich waren schon länger auf der Suche nach so einem Projekt. Vor allem wollten wir ländlich wohnen mit einem großen Nutzgarten, gemeinschaftlich leben und Ressourcen teilen.“ Am Anfang gab es Kennenlern-Tage, - Wochenenden und Wochen, bevor das Paar endgültig einzog.
Eine kleine Wohnung mit Terrasse haben sich die zwei gemütlich eingerichtet. Sigi Drückhammer zeigt sie gern: „Wir haben hier alles komplett renoviert“. Denn auch wenn das gemeinsame Abendessen im großen Gemeinschaftsraum zum Wohn- und Lebensprojekt gehört, kann jeder schon mal die Tür hinter sich zumachen. Auch Uwe Ledermann ist überzeugt von der Idee: „Jeder kann doch irgendwas und das kann man hier voneinander lernen.“
Das ist auch nötig, denn noch ist viel zu tun. Das Restaurant ist komplett entkernt, der Stall wird gerade zum Atelier umgebaut, weitere Wohnungen sollen entstehen. Um sich in der Region zu vernetzen wurde ein geräumiger Seminarraum eingerichtet, der auch angemietet werden kann und in dem bereits zwei Yogakurse stattfinden.
Viel Potenzial
„Ich fand es von Anfang an gut, dass so viel Potenzial da ist, am Haus und in der Gemeinschaft und dass ich selbst erleben kann, wie sich alles verändert“, schwärmt Sigi Drückhammer. Begeistert ist sie auch von der Gastfreundschaft, mit der die rund 20 Schürener die Neubürger aufgenommen haben. Immerhin ist der Ort durch sie um fast ein Drittel gewachsen. Ob beim Weihnachtssingen, Silvester oder am Osterfeuer - „Alle sind sehr offen. Und es gab schon gegenseitige Einladungen und gelebte Nachbarschaftshilfe.“
Weitere Mitbewohner gesucht
Die neuen Gutsbewohner sind Psychologinnen, Handwerker, Sozialarbeiter, Kommunikationsdesignerinnen, eine Kunsttherapeutin, Yogalehrerin, eine MTA und ein „Koch und Künstler“ sowie eine Garten- und Landschaftsbauerin und Umweltingenieurin. Manche sind in der Region angestellt, andere sind selbstständig tätig. Haus und Hof haben noch Platz für zwei Familien und die Gruppe würde sich über weitere Mitbewohner freuen. „Schön wäre jemand, der auch handwerklich geschickt ist und mit anpacken möchte“, wünscht sich Uwe Ledermann.
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