Enkhausen. . Familie Wullenweber aus Enkhausen hat ihren Milchviehbetrieb vergrößert. Sie kämpfen nicht nur mit schwankenden Milchpreisen.
Viele Milchbauern geben auf, auch in Südwestfalen. Knapp 300 in den vergangenen sieben Jahren. „Wir hatten in NRW einen durchschnittlichen Rückgang der Milchbauern um vier bis fünf Prozent in den Jahren 2010 bis 2016“, sagt Hubert Stratmann, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer in Meschede. Er beobachtet aber auch Wachstum. Beides lässt sich auf die schwankenden Milchpreise zurückführen.
Mit der Landwirtschaft groß geworden
Thomas und Brigitte Wullenweber sind Milchbauern. Beide sind mit der Landwirtschaft groß geworden, beide betreiben sie mit Herzblut. Auch sie mussten sich die Frage stellen, wie sie ihren Milchviehbetrieb für die Zukunft gut aufstellen. Sie entschieden sich bereits im Jahr 2014 für Wachstum.
Ein neuer Stall wurde gebaut, die Zahl der Kühe wuchs von 70 auf 140. „Für diese Entscheidung gab es zwei Gründe“, sagt Brigitte Wullenweber. „Mit 70 Kühen hat es sich nicht gerechnet noch jemanden einzustellen, der bei der Versorgung der Tiere hilft, wir mussten alles selbst machen, hatten nie frei, konnten nur schlecht in den Urlaub fahren. Mit 140 Kühen ist das anders. Jetzt sind wir wirtschaftlich einfach besser aufgestellt, besonders weil wir beide auf dem Hof arbeiten und kein zusätzliches Einkommen haben.“
Schwankende Preise
Außerdem habe der alte Stall nicht mehr den aktuellen Tierwohlkriterien entsprochen. „Wir mussten eh einen neuen Stall bauen und haben uns dann direkt für einen größeren entschieden“, berichtet Thomas Wullenweber.
Im Schnitt haben Milchviehalter in NRW laut Hubert Stratmann 67 Kühe. Vor 20 Jahren sah das noch anders aus. Für kleine Betriebe lohne es sich heute wirtschaftlich kaum mehr. „Das liegt auch daran, dass wir uns als Milchbauern heute auf dem internationalen Markt behaupten müssen“, sagt Thomas Wullenweber.
Konkurrenz aus aller Welt
Das heißt, dass deutsche Milchbauern mit Milchproduzenten aus aller Welt konkurrieren. Sinkt zum Beispiel in China die Nachfrage, ist das für unsere heimischen Milchbauern schlecht. „Die Milchpreise schwanken dadurch enorm, stärker und schneller als früher“, so Thomas Wullenweber.
Brigitte Wullenweber hat früher bei der Landwirtschaftskammer gearbeitet, ist dann aber auf dem eigenen Hof eingestiegen und kann sich nichts Schöneres mehr vorstellen: „Ich liebe die Arbeit hier auf dem Hof, es ist einfach schön und lässt sich auch gut mit der Familie in Einklang bringen.“
Viele Regeln und Vorschriften
Was der Landwirtin allerdings viel mehr zu schaffen macht als die schwankenden Milchpreise ist der Druck, der heutzutage auf Bauern lastet. „Da sind zum einen viele Regeln und Vorschriften, die beachtet werden müssen, zum anderen aber auch der soziale Druck“, sagt Wullenweber.
So würden Bauern heute gerade in den sozialen Medien häufig als Tierquäler und Umweltverschmutzer verunglimpft. „Da werden dann Behauptungen aufgestellt, von Leuten, die gar nicht wissen, wie es auf einem Bauernhof aussieht. Uns ist das Tierwohl wichtig und wir lieben die Natur“, so die Landwirtin.
Zahl der Betriebe nimmt ab
Vorurteile, so vermutet Brigitte Wullenweber, könnten auch damit zusammenhängen, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe abnimmt und viele Leute gar nichts mehr mit der Landwirtschaft zu tun haben. Die Wullenwebers vermieten auf ihrem Hof sechs Ferienwohnungen, zum einen, um noch ein Nebeneinkommen zu haben, besonders aber, um Menschen, die nicht vom Land kommen, das Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof näherzubringen und so Vorurteile abzubauen.
„Hier können die Leute unsere Kühe in unserem großen offenen Stall besuchen und sich selbst davon überzeugen, dass es den Tieren gut geht. A
ußerdem sehen sie dann auch, wo die Milch herkommt, und welche Arbeit dahinter steckt, vielleicht lernen sie die Milch dann anders schätzen und sind bereit mehr dafür zu zahlen“, erklärt Brigitte Wullenweber.
Momentan fühlen sich die Wullenwebers mit ihrem Hof gut aufgestellt, wie allerdings die Zukunft aussieht, müsse sich noch zeigen. „Weiter vergrößern können wir uns kaum, es fehlen die Flächen dafür, dass ist in der Landwirtschaft in einigen Orten generell ein Problem“ erklärt Thomas Wullenweber.
Die Zukunft
Wie es in entfernter Zukunft mit dem Hof weitergeht, liege auch daran, ob sich die beiden momentan erst 13-jährigen Kinder des Ehepaares irgendwann dazu entscheiden den Familienbetrieb, den schon Thomas Wullenweber von seinen Eltern übernommen hat, weiter zu betreiben. Dann müsse auch darüber nachgedacht werden irgendwann auf neue Techniken, wie z.B. Melkroboter umzurüsten, denn auch die Landwirtschaft wird immer moderner.
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