Ennepe-Ruhr. Die Biologische Station im EN-Kreis erklärt, warum Menschen während der Corona-Pandemie keine Angst vor heimischen Fledermäusen haben müssen.

Fledermäuse waren lange Zeit „in“. Vorbei die Jahre, in denen ihnen der hierzulande völlig falsche Ruf des gruseligen Blutsaugers nachhing. Sogar kleine Kinder wissen heute, dass unsere heimischen Fledermäuse nur Insekten fressen. Viele Menschen freuen sich beim Anblick der Nachtschwärmer im Garten, nicht nur, weil sie jede Menge Stechmücken vertilgen.

Ich fürchte aber, dass sich das positive Image unserer Fledermäuse, das sich in den letzten Jahren zu Recht durchgesetzt hat, wieder ins Gegenteil kippen könnte und die Tiere generell in Verruf geraten. Die Gründe sind wieder: Unwissenheit und Angst. Denn einige asiatische Fledermäuse stehen in Verdacht, das Virus, das jetzt bei Menschen die Covid-19-Erkrankung auslösen kann, in sich zu tragen – oder zumindest eine Vorstufe davon.

So ganz genau ist es noch nicht geklärt. Klar scheint nur, dass ein eng verwandtes Virus bei einigen Fledermäusen in Asien nachgewiesen wurde. Ob und wie es auf den Menschen übertragen wurde und ob weitere Tierarten zwischengeschaltet waren, ist noch nicht geklärt. Auch nicht, wo und wann es sich dann zu der für Menschen gefährlichen Variante entwickelte. Das wird manche Menschen aber vermutlich nicht davon abhalten, alle Fledermäuse, unter Generalverdacht zu stellen. Und schlimmer: den Tieren nachzustellen, sie zu vertreiben und ihre Quartiere zu vernichten oder die Fledermäuse gar zu töten.

Dies ist aber nicht nur durch unser Bundesnaturschutzgesetz verboten, sondern es würde völlig Unschuldige treffen. Nach Aussage des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung spielen unsere heimischen Fledermäuse überhaupt keine Rolle bei der Corona-Pandemie, da sie dieses Virus gar nicht in sich tragen. Man kann sich durch unsere heimischen Fledermäuse also nicht mit Covid-19 anstecken. Fledermäuse können aber vielleicht dabei helfen, diese und andere Krankheiten in Zukunft zu besiegen. Denn Fledermäuse haben ein sehr effektives Immunsystem. Wenn man versteht, wie es den Tieren gelingt, sich so gut gegen Krankheitserreger zur verteidigen, kann dies auch für unsere weitere medizinische Forschung nützlich sein.

Leichtgewichte

Darum: Haben Sie keine Angst vor unseren Fledermäusen. Im Gegenteil. Fledermäuse brauchen nach wie vor unsere Hilfe. Jede Nacht verspeist eine aktive Fledermaus bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts. Zwar sind Fledermäuse echte Leichtgewichte, aber im Laufe eines Sommers kommt so, je nach Art, rund ein Kilogramm Insekten zusammen. Stechmücken alleine reichen dafür nicht aus. Nachtfalter sind beliebte Fledermaus-Delikatessen. Aber auch sie sind in den letzten Jahren, wie so viele Insekten-Arten, weniger geworden.

Durch viele lobenswerte Initiativen entstehen zwar wieder vermehrt Blühstreifen entlang von Feldern, Wegen, Straßen und Blumenwiesen in manchem Garten. Ausgesät werden aber meist Pflanzenmischungen für Wildbienen. Nahrungsquellen für Nachtfalter sind dann nicht immer oder nur sehr wenige dabei. Nachtfalter brauchen nämlich Pflanzen, die ihre Blüten in der Nacht geöffnet haben.

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Wer also etwas für die heimischen Fledermäuse tun will, kann eine Blütenmischung speziell für diese Insekten einsäen. Und dann vielleicht sogar die Fledermäuse bei der Jagd beobachten. Übrigens: sollten Sie ein Fledermaus-Quartier bei sich am Haus oder im Garten haben, können Sie sich gerne bei uns melden. Auch, wenn Sie sich durch die Tiere gestört fühlen. Wir suchen dann gemeinsam nach einer Lösung. Wir beraten Sie ebenso gerne, wenn Sie etwas für Fledermäuse in ihrem Umfeld tun möchten, wie zum Beispiel neue Quartiere zu schaffen. Bleiben Sie gesund.

Ihre Britta Kunz