Ennepetal. Die Initiative „Oekumene 3.0“ lädt schon jetzt zum Dialogtag im Oktober in Ennepetal ein. Dabei geht es auch um die Auswirkungen der Coronakrise.
„Wenn alle Veranstaltungen abgesagt werden, darf man vielleicht gerade wieder die Zukunft planen“, das ist die Meinung des Teams der Initiative „Oekumene 3.0“. Deshalb lädt die Gruppe schon jetzt zu ihrem jährlichen Dialogtag ein, der immer am 3. Oktober, also am Tag der deutschen Einheit, stattfindet. Mit dieser frühen Einladung möchte das Vorbereitungsteam seine Hoffnung ausdrücken, dass im Oktober 2020 eine solche Veranstaltung wieder möglich sein möge. Wenn die Coronakrise eine solche Versammlung nicht zulassen sollte, werde „Oekumene 3.0“ andere Wege des Austausches und des Miteinanders finden.
Das Team um die Ennepetaler Bruno Hessel und Ute Höfig möchte die gravierenden Veränderungen, die unsere Gesellschaft gerade erlebt und vermutlich im Oktober noch anhalten oder sogar verschärft zu Tage treten werden, bedenken. Die möglichen Verwerfungen durch Jobverluste und Existenzbedrohungen, die sozialen Einschränkungen sollen ebenso zum Thema gemacht werden wie die Chancen, die durch einen einfacheren und vielleicht auch solidarischeren Lebensstil möglich werden.
Anmeldung ab sofort
Anmeldungen für den Dialogtag am Samstag, 3. Oktober, sind – schon jetzt – erwünscht, entweder per E-Mail an oekumene3.0@gmx.de oder telefonisch unter 02333/631273.
Den Teilnehmern entstehen keine Kosten.
Das Thema des Dialogtages lautet in Anlehnung an ein Pauluswort: „Wandelt euch und erneuert euer Denken. Maß und Mitte und neue Zuversicht finden in Zeiten von Corona“. Die Veranstaltung findet, voraussichtlich wie immer, im Evangelischen Gemeindezentrum an der Johanneskirche in Voerde, Milsper Straße 3, von 11 bis 17 Uhr statt.
Die Initiative „Oekumene 3.0“ ist die Nachfolgeorganisation der Kirchenreformgruppe „Ökumene 2017“. Diese hatte nach dem für sie enttäuschenden Lutherjahr 2017 ihre Kirchenreform-Arbeit eingestellt. Die neue Initiative, die wiederum in Ennepetal beheimatet ist, aber weit darüber hinaus agiert, versucht die „dritte Ökumene“ zu fördern. Nach der ersten, interkonfessionellen Ökumene (zwischen der Evangelischen und Katholischen Kirche) und der zweiten, interreligiösen Ökumene (zwischen den Weltreligionen) geht es in der dritten Ökumene um die Zusammenarbeit und den Gedankenaustausch gläubiger Menschen mit allen Sinnsuchern und weltanschaulich „Zögernden und Zweifelnden“, die aber an einer humanen, solidarischen und bescheideneren Welt mitarbeiten wollen.
Neue Haltungen gefragt
Insofern sei die jetzige Krisenzeit, in der es neue Formen der Solidarität und einen, wenn auch erzwungenen „Verzicht“ auf Gigantomanie, Konsumismus und Eventkultur gebe, eine Gelegenheit über neue und alte Werte nachzudenken, meint Bruno Hessel, einer der Mitbegründer von „Oekumene 3.0“. „Nicht nur kreative und solidarische Lösungen, sondern auch neue Haltungen braucht das Land.“ Mit einem Team aus Ennepetal sowie Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus Köln, Wuppertal und Bochum versuche die Initiative, die positiven Veränderungen, die trotz aller Bedrohungen durch das Virus in der Gesellschaft sichtbar würden, zu analysieren und ein „neues Denken“ zu unterstützen: eine neue Bescheidenheit und Nachdenklichkeit, eine größere Beziehungsfähigkeit und Dankbarkeit, ein Verzicht auf Dinge, die zur Plünderung unseres Planeten beitragen und eine Rückkehr zu alten Formen der Spiritualität.
Paradoxerweise werde offensichtlich wieder mehr gesungen und gebetet, obwohl die Gottesdienste ausfallen müssten und viele Kirchen geschlossen seien, so Hessel. Aber auch die noch gar nicht absehbaren Folgen der Coronakrise, die tiefen Einschnitte ins Wirtschafts- und Sozialsystem (mit neuer Armut und Einsamkeit) würden im Mittelpunkt des Dialogtages stehen.
Natürlich sei die Planung und so frühzeitige Anmeldung ein Risiko, so die Organisatoren, aber es gehe dem Vorbereitungsteam darum, nicht einfach abzuwarten, sondern die Zukunft auch in unsicheren Zeiten zu gestalten im Vertrauen darauf, dass Wege gefunden werden, die durch die Krise hindurchtragen. „Auch wenn in diesem Jahr der Karfreitag stärker zu sein scheint – es folgt Ostern mit seiner Hoffnungsbotschaft von Neubeginn und Auf(er)stehen im Hier und Jetzt“, sagt Ute Höfig vom Vorbereitungsteam der „Oekumene 3.0“.