Wittgenstein. Der Angriffskrieg auf die Ukraine und Putins Drohungen gegen den Westen verunsichern Wittgensteiner. Einen möglichen Schutzraum gibt es hier.
Ein bis zwei Mal pro Woche fragen Freunde und Bekannte bei Bunker-Erich-Besitzer Ralf Pasbach mittlerweile nach, ob sie sich bei ihm im Bunker im Falle eines Raketenangriffs ein Plätzchen reservieren können. „Die Fragen werden zwar im Spaß gestellt, aber man merkt schon, dass auch eine gewisse Besorgnis dahinter steckt“, so der Erndtebrücker Bunker-Hausherr.
Der Krieg in der Ukraine und die Drohungen Putins in Richtung Westen verunsichern die Menschen – auch im beschaulichen und friedlichen Wittgenstein. Hier und da werden jetzt die Fragen gestellt: Wie sicher ist man in Wittgenstein überhaupt im Fall eines Raketenangriffs? Ist der Bunker Erich in Erndtebrück ein möglicher Zufluchtsort? Und: Macht der Bundeswehrstützpunkt auf dem Hachenberg die Edergemeinde zu einem potenziellen Ziel?
Verständnis für die Fragen
„In Abstimmung mit dem Bundeswehrstandort können wir mitteilen, dass derzeit durch die Ereignisse in der Ukraine keine veränderte Gefährdungslage am Bundeswehrstandort vorhanden ist. Natürlich ist bei allen Akteuren ein Verständnis dafür vorhanden, dass die Menschen sich Gedanken über solche Fragestellungen machen. Bundeswehr und Gemeinde sind sich allerdings einig, dass dafür kein Anlass besteht“, lässt dazu die Erndtebrücker Gemeindeverwaltung auf Anfrage verlauten.
In der Hand der Gemeinde oder des Kreises läge es im Notfall, so erklärt Ralf Pasbach, den Bunker Erich in einen Zivilschutzbunker umzuwidmen. „Er ist ja eigentlich ein Bunker für militärische Zwecke“, erklärt Pasbach.
Solange eine Rakete den Bunker nicht direkt treffe, sei er mit seinen dreieinhalb Meter dicken Wänden auch relativ sicher, so der Bunker-Besitzer. Würde der Bunker als Zivilschutzbunker einsatzbereit gemacht werden, könnte sich Pasbach auch eine Unterbringung für Sanitäter und Verletzte vorstellen. Aus der Zeit des Kalten Krieges gebe es keine Luftschutzräume in Wittgenstein, so Pasbach. Und auch im Zweiten Weltkrieg war nur ein Zugtunnel als Luftschutzraum vorgesehen.
Kommunen rechnen nicht mit Gefahr
Auch heute rechnet man in Wittgenstein nicht mit der Gefahr eines Angriffs auf die Kommunen des Altkreises – Notfallpläne dafür gibt es also nicht. „Das Ausmaß der Zerstörung in der Ukraine zeigt mehr als deutlich, dass man sich auf eine solche Situation kaum vorbereiten kann.
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Für diesen Fall gibt es derzeit keine konkreten Notfallpläne“, erklärt Alexander Heinrich, Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste, Sicherheit und Ordnung in Bad Laasphe, auf die Anfrage dieser Redaktion.
Keine Luftschutzräume vorhanden
„Auch verfügt die Stadt Bad Laasphe – wie viele andere Kommunen – nicht über Schutzräume, die beispielsweise einem Luftangriff standhalten würden. In diesem Zusammenhang ist auf das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu verweisen, welches Informationen zum Verhalten in Katastrophenfällen vorhält“, teilt Heinrich mit. Auf der Internetseite des BBK gibt es demnach unter anderem Informationen dazu, wo man Schutz zu finden ist und was im Verteidigungsfall zu beachten ist. „Da eine solche kriegerische Auseinandersetzung das gesamte Bundesgebiet betreffen würde, sind kommunale Regelungen hier nicht zielführend“, so Heinrich weiter.
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Diesen Standpunkt vertritt man auch in der Bad Berleburger Verwaltung: „Damit Menschen bei uns in Bad Berleburg sicher leben können, sind wir an ein gesamtgesellschaftliches Sicherheitssystem angeschlossen, über das Deutschland auf Ebene von Bund, Ländern und Kommunen verfügt. Polizei, Bundeswehr, Freiwillige Feuerwehr, Rettungsdienste, Nachrichtendienste, grundsätzliche Akteure im Bevölkerungsschutz sowie Infrastruktur-Betreibende sind Teil dieses Sicherheitssystems“, heißt es aus der Abteilung Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung.
Gleichzeitig sehe das Sicherheitssystem bei besonderen Krisenlagen Informationen zur Umsetzung in eine Eigenverantwortung der Bevölkerung vor – „etwa mit Blick auf die Lebensmittelversorgung oder Zusammenstellung von wichtigen Dokumenten in einer Mappe“.
Im Krisenfall werden laut der Abteilung Sicherheit und Ordnung die Menschen über alle verfügbaren städtischen und externen Kanäle gewarnt – digital und analog. „Schutzräume und ähnliche Einrichtungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise zurückgebaut und sind daher in der klassischen Form nicht mehr vorhanden“, so die Vertreter der Abteilung Sicherheit und Ordnung. Die Sicherheitssysteme würden regelmäßig über die staatlichen Ebenen überprüft und erforderliche Maßnahmen eingeleitet.