Wengern/Malibu. Der gebürtige Wengeraner Arno Koch versucht eine Nacht lang, das Zuhause seiner Familie in Malibu zu retten. Sein persönlicher Bericht.
Als das Palisades-Feuer näher an das Haus seiner Familie in Malibu rückte und immer mehr Menschen entschieden, die Gegend zu verlassen, entschied Arno Koch, zu bleiben. Der Grund: „Nach allen Gesprächen, die ich nach dem Woolsey-Brand 2018 geführt hatte, wusste ich, dass damals 99 Prozent der zerstörten Häuser verlassen waren“, erklärt der gebürtige Wengeraner am Telefon. Was er in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar bei dem Kampf gegen die Flammen und für den Erhalt seines Zuhauses erlebte, hat er in diesem persönlichen Bericht zusammengefasst:
Alufolie gegen Funkenflug

Im Rahmen der Evakuierung musste mein Schwiegervater von einem Rettungswagen abgeholt werden, der von zwei Feuerwehrleuten begleitet wurde. Einer von ihnen spürte, dass ich vielleicht bleiben wollte und gab mir wertvolle Tipps: Er riet mir, die Lüftungsöffnungen im Dach mit Alufolie abzudecken. Der bei Buschbränden übliche Funkenflug könne sonst den Dachstuhl in Brand setzten. Dann bemerkte er einen niedrigen Zypressenbaum an der linken Ecke des Hauses und sagte: Wenn Funken das Haus nicht in Brand setzen, wird es der Baum tun. Es sei jedoch zu spät, um ihn zu entfernen. Daher solle ich sehen, dass ich hier raus komme.

Nachdem sie gegangen waren, kümmerte ich mich um die Lüftungsöffnungen, schnappte mir meine Kettensäge und entfernte den Baum. Danach hieß es warten. Gegen 19.18 Uhr kroch das Feuer schließlich den Hügel hinter unserem Wohngebiet hinunter. Ich zog eine Maske auf und eine Taucherbrille an, um meine Augen vor dem Rauch zu schützen und begann, das Dach sowie die nahegelegenen Pflanzen zu durchnässen.
„ Ich hatte nicht erwartet, die ehemals grüne Hecke so lichterloh brennen zu sehen. “
Die Hecke zwischen uns und dem Nachbarhaus begann zu brennen. Ich versuchte, das Feuer mit dem Gartenschlauch zu löschen, doch das hatte keinen Effekt. Das Feuer kam näher. Ich änderte die Taktik und nässte den restlichen Teil der Hecke, konzentrierte mich auf den Bereich, in dem ich das Feuer stoppen wollte, und es funktionierte. Ich hatte das Gefühl, es unter Kontrolle zu haben. Dann sah ich, dass ein Brennholzstapel, unsere Mülltonnen und ein Passionsfruchtbusch in Flammen standen. Ich hatte nicht erwartet, die ehemals grüne Hecke so lichterloh brennen zu sehen. Glücklicherweise hatte ich das Auto weit genug davon entfernt geparkt. Das Problem war nun, dass die Flammen das Haus erreichten.
Ich befestigte den Gartenschlauch am Griff meines Rasenmähers, sodass er auf die Hecke sprühte und das Feuer unter Kontrolle hielt, ohne dass ich dabei bleiben musste. Mit einem zweiten Schlauch löschte ich das Feuer am Holzstapel und an den Mülltonnen. Dann ging ich zurück zum ersten Schlauch, bis die Hecke vollständig gelöscht war. Ich bemerkte, dass das Haus meines anderen Nachbarn auf der anderen Seite des Grundstücks Feuer gefangen hatte.

Ich eilte dorthin mit meinem Schlauch. Es war offensichtlich, dass ich dieses Haus nicht mehr retten konnte. Ich konzentrierte mich darauf, die Reihe von etwa acht Meter hohen Ficus-Bäumen zwischen unserem Haus und dem der Nachbarin zu durchnässen und hoffte, dass diese Taktik das Feuer davon abhalten würde, auf unser Haus überzuschlagen.
Es funktionierte. Auch der Wind war auf meiner Seite. Anderthalb Stunden nach den ersten Flammen hatte ich die erste Gelegenheit, meine Frau anzurufen, um ihr mitzuteilen, dass ich nicht in unmittelbarer Gefahr war. Schwer vorstellbar für sie, da sie im Hintergrund das Knacken des Feuers am Nachbarhaus hörte.
„Was ich sah, traf mich wie ein Schock. An den Häusern vieler meiner Freunde und Nachbarn war nichts mehr zu tun. Von acht Häusern brannten fünf. “
Ich unterbrach meine Arbeit an dieser Seite des Hauses nur, um nach den anderen beiden Brandherden zu sehen und die Dachfläche weiter nass zu halten. Die Hecke und der Holzstapel flammten immer wieder auf, erloschen aber allmählich. Ich rief meine Frau jede Stunde an, um ihr einen Lagebericht zu geben.
Drei Stunden nachdem das Feuer über den Hügel kam, schien unser Haus sicher genug, um den Schlauch zu befestigen und den Ficus nass zu halten, während ich einen Rundgang machen konnte, um nach anderen Häusern auf der Straße zu sehen. Was ich sah, traf mich wie ein Schock. An den Häusern vieler meiner Freunde und Nachbarn war nichts mehr zu tun. Von acht Häusern brannten fünf. Mit den Explosionen, die ich aus brennenden Häusern in der weiteren Umgebung hörte, fühlte es sich wie ein Kriegsgebiet an. Ich in der Mitte, keine einziger Feuerwehrmann in unserem Wohngebiet.

Ich konzentrierte mich wieder auf unser Haus, löschte aufflammende Brandherde und hielt das Dach feucht. Als es dem Morgen näherkam, hatte ich das Gefühl, die Brandherde vollständig unter Kontrolle zu haben, und hatte Zeit, die andere Straßenseite zu inspizieren. Ich stellte fest, dass alle Häuser bis auf das meines direkten Nachbarn in Flammen standen, doch ich entdeckte noch etwas anderes.
Hinter dem Gartentor des anderen Nachbarhauses sah ich Flammen. Ich ging hin und sah eine brennende Mülltonne, deren Flammen das Haus erreichten. Ich rannte zurück, um einen Eimer mit Wasser zu füllen. Ungewöhnlich langsam füllte sich der Eimer. Mir fiel auf, dass der Wasserdruck gefallen war.
Das Haus im Blick
Als der Eimer voll war, stellte ich den Schlauch auf einen zweiten Eimer, von dem ich hoffte, dass er bis zu meiner Rückkehr voll wäre. Mit dem vollen Eimer lief ich zurück, um die brennenden Überreste der Mülltonne zu löschen Ich sprang über die Mauer, öffnete das Tor von innen und goss mein Wasser auf die Flammen. Das Feuer war gelöscht.
Den Rest der Nacht verbrachte ich auf einem Gartenstuhl in der Mitte unseres Rasens, behielt das Haus im Blick, befeuchtete das Dach und kümmerte mich um die wieder aufglimmenden, aber schwächer werdenden Brandherde. Doch auch etwas anderes ging zurück: der Wasserdruck. Gegen 5 Uhr morgens war das Wasser auf ein Rinnsal gesunken. Ich hatte nur noch den zweiten Eimer und nutzte das Rinnsal, um die Wasserpistole meines Sohnes zu füllen und damit noch glühende Zweige der Hecke und des Ficus abzuspritzen.

Erschöpft döste ich auf dem Stuhl ein, und als alles ruhig blieb, ging ich ums Haus und dann nach drinnen, um auf dem Sofa ein kleines Nickerchen zu machen. Ich stellte meinen Wecker auf 30 Minuten und kuschelte mich mit Schüttelfrost und Krämpfen in den Beinen unter eine Decke zusammen. Ich wachte auf, überprüfte alle 30 Minuten das Haus und seine Umgebung. Mit jeder Kontrolle wuchs mein Vertrauen, dass ich unser Haus und das unseres Nachbarn gerettet hatte. Gegen 6 Uhr standen von 20 Häusern auf unserer Straße nur noch fünf.
Schock und Panik
Ich bekam Textnachricht um Textnachricht. Menschen schrieben mir, dass sie gehört hätten, dass ich ihnen berichten könnte, wie es um ihre Häuser steht. Bis viertel vor acht hatte ich etwa 70 Anfragen. Ich ordnete alles in einer Tabelle, hatte meine Tour geplant und verließ das Haus gegen 9 Uhr. Nach vier Stunden ohne weitere Funkenflug oder Flammen auf unserem Grundstück fuhr ich mit dem Gefühl weg, dass unser Haus noch viele Jahre lang auch unser Zuhause bleiben würde. Ich wusste auch, dass ich ohne Wasser nichts mehr tun konnte.
Auf dem Weg sah ich ein Haus auf der linken Seite lichterloh brennen. Es konnte sich erst vor wenigen Minuten entzündet haben. „Vielleicht sollte ich nochmal nach meinem Haus sehen“, dachte ich. Ich sah aus dem Fenster nach rechts und bemerkte Rauch… aus der Richtung meines Hauses. Ich trat auf die Bremse, sprang aus dem Auto und sah mein Haus in Flammen, neben dem brennenden Nachbarhaus.

Mein Hund! Ich sprang wieder ins Auto und fuhr zu dem, was von meinem Zuhause noch übrig war. Ein Feuerwehrwagen parkte vor den Häusern und beobachtete, wie sie brannten. Ich parkte, in Panik, fassungslos, geschockt und machtlos. Einer der Feuerwehrmänner stieg aus und kam auf mich zu. Sie hatten meinen Hund. Mit Obi in meinem Auto fuhr ich zu dem Hotel, in dem meine Familie untergekommen war. Von 240 Häusern in unserem Wohngebiet in Big Rock brannten etwa 170 Häuser ab. Von den 20 Häusern auf unserer Straße stehen noch drei.