Sprockhövel. Zwei Männer sind in ein Besucher-Bergwerk in Sprockhövel eingebrochen und verschwunden. Wer waren die Männer, die die große Suchaktion auslösten?

Zwei Einbrecher haben sich in Sprockhövel in Lebensgefahr gebracht. Die Folge war eine groß angelegte Suchaktion am Samstag (23.2.). Denn das Ziel der Einbrecher war ungewöhnlich: Sie waren in das Besucherbergwerk Stock und Scherenberger Erbstollen eingestiegen und spurlos verschwunden. Inzwischen gibt es Vermutungen zu den Hintergründen.

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Die Überwachungskamera des Stollens zeigte, wie das Duo in der Nacht zum Samstag gegen 0.30 Uhr mit Rucksäcken und Proviant auf das Gelände schlich und in den verschlossenen Eingang des Besucherstollens eindrang. Sie haben eine Kette durchtrennt, mit der der Stollen abgesperrt war. Was sie dabei offenbar nicht bedachten: Sie begaben sich damit in akute Lebensgefahr.

„Solange sie auf dem ein Kilometer langen Gästeweg bleiben, sind sie sicher.“

Ronald Mayer
ehrenamtlicher Denkmalschutzbeauftragter

Um 9.30 Uhr informierte der Verein Bergbau aktiv Ruhr, der den Stollen instand hält und Führungen anbietet, die Polizei. Der ehrenamtliche Denkmalschutzbeauftragte Ronald Mayer (44), erklärt: „Messungen haben uns gezeigt, dass die Männer noch immer im Stollen sind. Das ist gefährlich. Solange sie auf dem ein Kilometer langen Gästeweg bleiben, sind sie sicher.“

Doch was passiert, wenn sie diesen verlassen haben? Nach dem markierten Besucherweg geht der Stollen noch zwei Kilometer weiter in das Berginnere. Mayer warnt: „Wenn man den Hauptweg verlässt, gibt es ein Sauerstoff-Problem. Am schlimmsten wäre es, wenn die Männer sich in einem sogenannten Querschlag verstecken. Dann sind sie in akuter Lebensgefahr!“

Am Eingang zum Besucherbergwerk Stock und Scherenberger Erbstollen in Sprockhövel verschafften sich Unbekannte Zutritt und brachten sich so in Lebensgefahr.
Am Eingang zum Besucherbergwerk Stock und Scherenberger Erbstollen in Sprockhövel verschafften sich Unbekannte Zutritt und brachten sich so in Lebensgefahr. © FUNKE Foto Services | Walter Fischer

Die Polizei rief auch die Feuerwehr Sprockhövel dazu. Mit den Bergwerks-Betreibern, Polizei und Feuerwehrleuten durchsuchten sie den Stollen. Dabei kamen auch Messgeräte zum Einsatz, die den Sauerstoffgehalt der Luft prüften, erklärt Feuerwehrsprecher Max Blasius. Zudem sei durch ein etwa einen Kilometer entferntes Mundloch des Stollens Sauerstoff mit Hochleitungslüftern unter die Erde gepumpt worden.

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Ob sich die Männer da noch im Bergwerk aufhielten, war unklar. Die Überwachungskamera ist solarbetrieben und mit einer Batterie ausgestattet, erklärt ein Polizeisprecher. Die war leer, die Kamera also nicht mehr funktionstüchtig. Deshalb wurde nicht aufgezeichnet, ob die Einbrecher den Scherenberger Erbstollen wieder verlassen hatten. Man habe aber bis 14 Uhr den Stollen durchsucht und keine Anzeichen dafür gefunden, dass sich dort noch Personen aufhalten könnten. Deshalb gehen alle Beteiligten davon aus, dass die Einbrecher nicht mehr im Bergwerk sind.

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Die Polizei vermutet unterdessen, es könne sich bei den Einbrechern um YouTuber handeln, die Aufnahmen in sogenannten Lost Places, also verlassenen Orten, machen. Man habe sich auch bei ortsansässigen Personen umgehört, von denen bekannt ist, dass sie solche Aufnahmen machen. „Sie haben alle beteuert, dass sie das nicht waren“, so die Polizei. Auch gab es keine Hinweise auf mögliche Täter.

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Deshalb vermutet die Polizei inzwischen, es könne sich um ausländische YouTuber handeln. Das sei aber eine reine Vermutung. Belege oder Hinweise in sozialen Netzwerken gibt es bisher nicht. Es wird weiter ermittelt, der Sucheinsatz in Sprockhövel ist aber abgeschlossen.