Der Hangar für den doppelstöckigen Airbus A 380 in Hamburg gehört zu den größten Hallen der Welt. In dem als passend empfundenen Ambiente zeigt Mercedes heute erstmals öffentlich für 750 ausgewählte Gäste die neue S-Klasse, einst die unumstrittene Krone des Automobilbaus, inzwischen ein deutsches Oberklasse-Auto unter mehreren. Floppt die immer noch sehr ertragreiche so genannte Modellreihe W 222, dann könnte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche seinen Job noch eher verlieren als mit dem Auslaufen seines gerade nur um drei Jahre bis 2016 verlängerten Vertrags.
Damit dies nicht passiert, engagiert sich der 60-Jährige persönlich für den Start des 5,12 Meter langen Sterns aus Untertürkheim, führte Journalisten die neuen Sitze mit Hot-Stone-Massagesteinen vor. Kurz vor seinem Wechsel auf den Chefposten Anfang 2006 war die letzte S-Klasse erschienen. Die neue dürfte bis 2020 laufen, und die einzige in Zetsches Amtszeit bleiben.
Bereits jetzt ist er ein Konzernlenker auf Abruf, der viel Kritik einstecken muss. Unter Zetsche hat sich der Daimler-Aktienkurs keinen Cent nach oben entwickelt, während sich der von Premium-Primus BMW verdoppelte. Mercedes wurde inzwischen auch von Audi überholt. Das Design vieler Pkw mit Stern aus der Feder von Zetsche-Zögling Gordon Wagener stößt auf Kritik. Jetzt hat er der S-Klasse auch noch einen monströs großen Grill verpasst. Und zuweilen lästert die Fachpresse schon vor dem Erscheinen über die Beduftungsanlage des W 222. In der Formel eins fährt Mercedes mit Millionenaufwand hinterher, und zu allem Übel fuhren die Autos der Stuttgarter Sicherheitsapostel aus der Kooperation mit Massenproduzent Renault beim Crashtest an die Wand. Heckenschützen aus dem Management verlautbarten via „Spiegel“: „Der Dieter kann es nicht.“
Die neue S-Klasse ist für Zetsche also besonders wichtig. Sie ersetzt auch die vollends gescheiterte Maybach-Reihe. Die wurde 2002 Journalisten als Rolls-Royce-Ersatz präsentiert – an gleicher Stelle auf dem Airbus-Gelände in Hamburg.
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