Berlin. . Die Ära des Feriensfliegers Niki endete Mittwochabend nach 14 Jahren auf dem Rollfeld des Wiener Flughafens Schwechat. Eine halbe Stunde vor Mitternacht hatte der Airbus mit der Flugnummer HG2601 aus Teneriffa auf der Landebahn aufgesetzt. Der Flug der Air-Berlin-Tochter war der vorerst letzte unter dem Niki-Label.
Die Ära des Feriensfliegers Niki endete Mittwochabend nach 14 Jahren auf dem Rollfeld des Wiener Flughafens Schwechat. Eine halbe Stunde vor Mitternacht hatte der Airbus mit der Flugnummer HG2601 aus Teneriffa auf der Landebahn aufgesetzt. Der Flug der Air-Berlin-Tochter war der vorerst letzte unter dem Niki-Label.
Stunden zuvor hatte die Airline Insolvenz anmelden müssen und bekannt gegeben, dass alle Niki-Maschinen bis auf weiteres am Boden bleiben müssen. Das teilte Lucas Flöther mit, der zum Insolvenzverwalter bestellt wurde. Tausende Flugreisende sitzen seitdem auf Ferieninseln wie Mallorca oder den Kanaren fest. Weitere Zehntausende werden ihre für die nächsten Wochen gebuchten Flüge erst gar nicht antreten können. Wie geht es jetzt weiter?
Was ist passiert?
Seit Donnerstag bleiben alle 21 Maschinen der Air-Berlin-Tochter Niki am Boden. Nach der Pleite Air Berlins wollte die Lufthansa die Fluggesellschaft übernehmen. Doch der Niki-Verkauf scheiterte am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter. Derzeit führt Insolvenzverwalter Flöther Gespräche mit neuen möglichen Investoren. Einer darunter ist Ex-Rennfahrer Niki Lauda.
Was geschieht mit den bereitsverkauften Flugtickets?
Mit der Insolvenz verlieren alle ausgestellten Tickets ihre Gültigkeit. Laut Insolvenzverwalter gibt es 410 000 Einzeltickets, die noch nicht abgeflogen wurden. 210 000 Tickets davon haben Reisebüros und Reiseveranstalter gebucht.
Müssen Urlauber nun an
ihrem Ferienort bleiben?
Knapp 40 000 Passagiere wollten in den kommenden zwei Wochen ihren Heimflug mit Niki antreten.Tatsächlich sind die Touristen erstmal gestrandet. Grundsätzlich müssen sich die Reisenden, die ihren Flug direkt bei Niki gebucht haben, selbst um ihre Rückreise kümmern und diese auch selbst bezahlen. Auf der Webseite der Airline (www.flyniki.com) sind Fluggesellschaften aufgelistet, die bis zum 31. Dezember 2017 Reisende aus dem Ausland zurück nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz holen. Dazu gehören Condor, Eurowings, FlyGermania, Lufthansa, Austrian Airlines, Swiss und Tuifly. Sie wollen die Passagiere zu Sonderkonditionen nach Hause befördern. Condor will die Urlauber gratis heimfliegen, wenn Plätze frei sind. Wer seinen Urlaub über einen Reiseveranstalter gebucht hat, für den ist der Anbieter zuständig.
Können Reisende auf eine Rückerstattung hoffen?
Fast alle Passagiere erhalten den gezahlten Flugpreis zurück oder werden umgebucht. Dies stellte der vorläufige Insolvenzverwalter Flöther gestern überraschend in Aussicht. Wer sein Ticket über einen Reiseveranstalter gebucht hat, werde automatisch umgebucht. Betroffene sollten sich zur Klärung der Details mit ihrem Veranstalter in Verbindung setzen. Tickets, die über ein Reisebüro oder als Teil einer Pauschalreise gekauft wurden, sind in der Regel über Reisesicherungsscheine abgesichert.
Glück haben auch einige Passagiere, die ihre Tickets direkt bei Niki gebucht haben. Wer diese nach der Insolvenz von Air Berlin – also nach dem 15. August – erworben hat, bekommt „den Reisepreis voraussichtlich voll erstattet“, teilte Flöther mit. Dies gelte für alle Tickets bis Ende Oktober 2018.
Wer sein Ticket jedoch vor Mitte August gekauft hat, geht wohl leer aus. Diese Betroffenen können sich nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens schriftlich an den Insolvenzverwalter wenden, wenn sie ihr Geld zurück haben möchten. Die Aussichten sind jedoch nicht gut, denn die Verbraucher müssen sich in die lange Reihe der Gläubiger einreihen. „Der Weg zur Rückerstattung ist langwierig“, sagt Reiserechtsexperte Felix Methmann. „Es ist fraglich, ob sich das lohnt.“
Was droht den Beschäftigen?
„Für die 1000 Beschäftigten ist die Insolvenz ein Desaster“, sagt Verdi-Gewerkschafterin Martina Sönnichsen. Wie es für die Mitarbeiter in Deutschland und Österreich weitergeht, ist unklar. Groß ist die Hoffnung, dass für die Beschäftigten schnell gute Lösungen gefunden werden. Löhne und Gehälter der deutschen Arbeitnehmer sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines hat Interesse an Piloten und Flugbegleitern angemeldet. Gesucht würden für Wien bis zu 600 Mitarbeiter.