Premiere der integrativen Theatergruppe Blindflug: „Romulus der Große” begeistert im ausverkauften Ebertbad.
Am Lorbeerkranz hängen gerade noch zwei Blätter, die Kasse ist leer, vor der Tür lungern die Barbaren und im Palastkeller liegt die letzte Flasche Wein – Cäsar zu sein, ist eben nicht das, was die Geschichtsbücher so berichten. Schon gar nicht in Dürenmatts „Romulus der Große”.
Das integrative Theater „Blindflug” führte die Komödie im restlos ausverkauften Ebertbad auf. Das geistreiche wie anspruchsvolle Stück setzen die 15 Darsteller mit und ohne Behinderung gekonnt um. Jens Jacobsen gibt einen wunderbar lakonischen wie von den Umständen genervten Romulus, viel Zwischenapplaus erhält auch Tanino Camilleri für seine Rolle als aufdringlicher Kunsthändler Apollyon.
Dürenmatts Geschichte erscheint zeitlos: Der Staat ist in der Krise. Den von seinen eignen Landsleuten verdrossenen Romulus beschäftigt mehr das Treiben der Hühner auf dem Hof, als die angriffslustigen Germanen in Italien. Den Cäsaren kommt Hosenfabrikant Rupf (Rita Castor) zu Hilfe – mit Hintergedanken an Romolus' schöne Tochter Osira (Sejla Badjnevic). Natürlich hat die den Schauspieler Phylax (Mark Schwarz) im Kopf und nicht den schäbigen Beinkleider-Kapitalisten. Das Reich retten und die Tochter unglücklich machen? Romulus druckst um die Entscheidung wie seine Henne vor dem Eierlegen. „Du machst mir Angst”, meint Osira. „Das wünschte ich mir von meinen Feinden auch”, scherzt Romulus.
Das Publikum mit und ohne Behinderung über 90 Minuten so konzentriert an sich zu binden, sei ein kleines Kunststück, lobt Rainer Lettkamp, Geschäftsführer der Lebenshilfe. Seine Organisation unterstützt mit anderen das Projekt. Theaterpädagoge Jörg Wilms vollbrachte das Kunststück. Ein Jahr dauerte die Vorbereitung. Dabei seien die Darsteller bei der Generalprobe noch sehr aufgeregt gewesen. Gemessen am jubelnden Applaus, hat sich die Anstrengung gelohnt und vielleicht gibt es ein besonderes Wiedersehen mit Romulus im Kulturhauptstadt-Jahr 2010.
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