Oberhausen. . Was tun, wenn das Herz aus dem Takt schlägt? Zwei Spezialisten haben alle Fragen rund um Vorhofflimmern und andere Rhythmusstörungen beantwortet.
Schon um kurz vor 13 Uhr klingelte das Telefon von Kardiologe Dr. Ulrich Kröll zum ersten Mal. Und auch der erste Anrufer für Dr. Thomas Butz, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und kardiologische Intensivmedizin am Katholischen Klinikum Oberhausen (KKO), ließ nicht lange auf sich warten.
Zwei Stunden lang beantworteten die beiden Herzspezialisten am Mittwoch in der WAZ-Redaktion Fragen der Leser rund um Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bei Herzrhythmusstörungen. „15 Millionen Europäer leiden an Vorhofflimmern“, erklärt Dr. Thomas Butz. Viel Gesprächsbedarf hatten auch die Oberhausener Leser. Die Telefone standen kaum still. Wir haben einige häufige Fragen und Antworten für die Leser zusammengestellt.
Wie kann man Herzrhythmusstörungen feststellen?
„Am einfachsten ist es, den Puls selbst zu fühlen, zum Beispiel am Handgelenk“, sagt Dr. Thomas Butz. Zwischen 60 und 80 Mal pro Minute sollte das Herz schlagen. „Bei unter 50 oder über 100 Schlägen wird es gefährlich“, so der Experte. „Die Herzfrequenz und die Regelmäßigkeit sind das wichtigste.“ Schlägt das Herz nicht regelmäßig, dann sollte man auf jeden Fall den Hausarzt aufsuchen.
Was passiert beim Hausarzt?
Der Hausarzt macht zunächst ein Ruhe-Elektrokardiogramm, kurz EKG. Damit werden Herzfrequenz und -rhythmus genau bestimmt. „Auch wenn dort keine Störungen zu erkennen sind, sollte man ein Langzeit-EKG machen“, sagt Dr. Thomas Butz. Denn so können auch Störungen erkannt werden, die nur unregelmäßig auftreten.
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Welche Arten von Herzrhythmusstörungen gibt es?
Es gibt rund zehn verschiedene Arten von Herzrhythmusstörungen, die häufigste ist das Vorhofflimmern. „Rund ein Drittel der Schlaganfälle sind auf Vorhofflimmern zurückzuführen“, erklärt Dr. Thomas Butz. Deswegen ist es so wichtig, dass das Vorhofflimmern behandelt wird. „Rund zehn Prozent der Patienten in meiner Praxis haben Vorhofflimmern“, ergänzt Kardiologe Dr. Ulrich Kröll. „Ein relativ junger Patient“ habe am Mittwoch bei ihm angerufen, er war 60 Jahre alt. „Vorhofflimmern ist eine typische Alterserkrankung“, so der Kardiologe. Besonders gefährlich ist das Kammerflimmern. „Dann fallen die Menschen einfach um und müssen schnell mit einem Defibrillator behandelt werden“, sagt Dr. Butz.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die gute Nachricht: „Rhythmusstörungen können jetzt sehr viel besser behandelt werden als vor zehn Jahren. Es gab viele Fortschritte in der Medizin“, erklärt Dr. Thomas Butz. Auch mit Herzrhythmusstörungen kann man eine sehr gute Lebensqualität erzielen. Mit kleinen Elektroschocks kann das Herz wieder in Takt gebracht werden. Dazu bekommen die Patienten Blutverdünner, häufig Marcumar, inzwischen gibt es aber auch andere Medikamente. Außerdem besteht die Möglichkeit einer sogenannten Katheter-Ablation. Dabei werden verschiedene Stellen im Herzen, die für die Rhythmusstörungen verantwortlich sind, verödet.
Wer ist besonders gefährdet und wie kann man Herzrhythmusstörungen vorbeugen?
„Herzrhythmusstörungen werden meist durch Alter und Alkohol bedingt“, erklärt Dr. Thomas Butz. Durch eine gesunde Lebensweise kann man also vorbeugen. „Hochleistungssportler sind aber sogar besonders gefährdet.“
>>>>>> Über die beiden Kardiologen
Dr. Thomas Butz ist seit 2015 Chefarzt der Klinik für Kardiologie und kardiologische Intensivmedizin am KKO. Er hat eine Lehrbefugnis an der Ruhr-Universität Bochum, wo er 2000 selbst promoviert hat.
Dr. Ulrich Kröll hat in Düsseldorf studiert. Er war von 1987 bis 1995 Assistenzarzt in der Inneren-, Geriatrischen- und Kardiologischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses Oberhausen, bevor er sich 1995 mit seiner Praxis niederließ.