Oberhausen. . Die Stadt plant, die Kosten fürs Parken drastisch zu verteuern. Doch bei der ersten Anhörung dazu beteiligten sich erschreckend wenige Bürger.

  • Auf der ersten Anhörung zeigen sich Anwohner über die Verteuerung der Parkgebühren gelassen
  • Geschäftsleute reagieren allerdings besorgt und befürchten erhebliche Verluste von Stammkunden
  • Berater will durch Verteuerung und Ausweitung der Parkgebühren den Suchverkehr verringern

Da plant die Politik mindestens eine Verdoppelung der Parkgebühren in der ohnehin stark gebeutelten Oberhausener Innenstadt, doch die Bürger halten sich recht vornehm zurück, sich in die Debatte mit ihren Vorschlägen einzumischen – oder gar zu protestieren.

Nur 30 Alt-Oberhausener fanden den Weg zur ersten Bürgeranhörung über den Parkplan in die Aula des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums an der Bismarckstraße. Die Stimmung: gemischt.

Händler befürchten weniger Kunden, Anwohner beschweren sich über die Kosten des Anwohner-Parkausweises; einige hoffen, dass künftig weniger Autos in ihren bisher noch kostenlos zu nutzenden Straßen wochenlang am gleichen Platz parken.

Ein viel größeres Gebiet

Nach einem Vorschlag der von der Stadt beauftragten Verkehrsplanungs-Beratungsagentur LK Argus sollen Autofahrer künftig in einem viel größeren Gebiet in Alt-Oberhausen Parkgebühren zahlen müssen – für einen viel längeren Zeitraum (von 9 bis 18 Uhr statt von 10 bis 16 Uhr) und zudem mit einem Euro pro Stunde doppelt so viel wie bisher (50 Cent). Würde dies am Ende durch den Rat so beschlossen, müsste man also künftig auf dem DGB-Parkplatz an der Friedrich-Karl-Straße statt zwei Euro für den ganzen Tag satte acht Euro zahlen.

Die gepunktete Linie zeigt, wie weit der Bereich nach LK-Argus-Empfehlung gezogen werden soll, in dem die Stadt künftig Parkgebühren mit Hilfe vieler neuer Parkautomaten erheben soll.
Die gepunktete Linie zeigt, wie weit der Bereich nach LK-Argus-Empfehlung gezogen werden soll, in dem die Stadt künftig Parkgebühren mit Hilfe vieler neuer Parkautomaten erheben soll. © Hoffmann

Argus-Verkehrsingenieur Michael Schreiber versicherte bei der Anhörung allerdings, dass es der Stadt nicht in erster Linie um Mehreinnahmen gehe, sondern um eine bessere Verkehrslenkung. Bisher habe man in Alt-Oberhausen einen Flickenteppich unterschiedlicher Tarife, Höchstdauern und Regelvarianten (Parkscheibe oder Parkschein). „Da muss man handeln, denn das ist nicht nur für Ortsfremde verwirrend und löst enormen Parksuchverkehr aus.“ Man habe ermittelt, dass im vorgeschlagenen Parkgebühren-Bereich (siehe gestrichelte Linie) deutlich zu viele Autos parken wollen – bei zu wenigen Parkplätzen. Mit einem Euro pro Stunde sei man zwar teurer als Bottrop und Gelsenkirchen, aber immer noch deutlich billiger als viele andere Städte.

Nach diesem Konzept müssten mehr Anwohner als bisher einen Sonderparkausweis beantragen – und für die Verwaltungsarbeit eine Gebühr von gut 30 Euro im Jahr bezahlen. In der Anhörung fanden einige schon diesen Preis nicht angemessen, andere freuen sich regelrecht darauf. Denn in bestimmten Vierteln, etwa rund ums Evangelische Krankenhaus, ums St.-Josef-Hospital oder ums Rück-Möbelhaus, parken so viele Angehörige von Patienten oder Klinikbeschäftigte, dass Anwohner Probleme haben, einen freien Platz zu finden.

Konkurrenz Bero-Zentrum und Centro

Ein Anwohner der Tannenbergstraße am Hauptbahnhof begrüßt die neue Parkregelung: „Für mich sind 30 Euro verkraftbar – und dann parken endlich nicht mehr wochenlang Autos bei uns.“ Geschäftsleute wie Schuhmacher Friedhelm Karl und Sportartikel-Händler Wolfgang Wonsyld warnen jedoch: „Das Konzept schadet der City sehr. Wir stehen in Konkurrenz zum Bero-Zentrum und zum Centro, wo die Kunden kostenlos parken können.“

An der Idee von Ingenieur Schreiber, der City-Handel könne ja Parkgebühren ihren Kunden erstatten, zweifelte Wonsyld. „Da machen die Filialisten nicht mit.“

Ähnliches Konzept für Sterkrade

Für Sterkrade schlagen die Gutachter im Prinzip ein ähnliches Konzept wie für Alt-Oberhausen vor. Der heutige Flickenteppich an Parkregelungen soll durch einheitliche Vorschriften abgelöst werden. So soll man nur noch mit Parkschein parken dürfen im Bereich zwischen Friedrichstraße im Süden und Gymnasialstraße im Norden sowie Eugen-zur-Nieden-Ring im Osten und den beiden Bahnhofsrampen im Westen. Sie soll montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 16 Uhr gelten. Anwohner mit Parkausweis sind davon ausgenommen. Die Parkgebühr verdoppelt sich von 50 Cent auf ein Euro. Südlich vom genannten Bereich soll es weiter die Parkscheibenregelung mit einer Parkdauer von maximal zwei Stunden geben, ebenso an der Heidstraße und auf der Neumühler Straße.