Bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz 2012 kündigte die Polizeipräsidentin an, dass sich die Polizei verstärkt der Verkehrssicherheit von Kindern widmen wird. Sechs Schwerpunktmaßnahmen sind vorgesehen, auch einen „Blitzmarathon“ werde es wieder geben, so Stephania Fischer-Weinsziehr an.
Die Polizeipräsidentin kritisierte, dass viele Eltern im Auto oft nicht genug auf die Sicherung ihrer Kinder achteten. Die Zahl der verunglückten Kinder ging zwar zurück, doch 44 Fälle in Mülheim (194 in Essen) sind noch zu viele.
Die Zahl der Unfälle insgesamt liege im Bereich des Polizeipräsidiums (PP) auf Vorjahresniveau, bilanzierte die Fischer-Weinsziehr. Für Mülheim allein ist es günstiger. In ganz NRW haben sich – im Vergleich zu 2011 – im vergangenen Jahr 0,8 % weniger Unfälle ereignet. Das PP kommt auf eine leichte Erhöhung von 0,01 %.
In Mülheim hat es insgesamt 165 Unfälle weniger gegeben als 2011 – ein Minus von 2,7 %. Bei den Unfällen mit Verletzten fällt die Bilanz für Mülheim noch günstiger aus: Bei 422 Unfällen waren Verletzte zu beklagen – 56 Verletzte (11,7 %) weniger als im Jahr davor (Essen: 1,7 % weniger Verletzte).
Während die Zahl der insgesamt auf den Straßen Verunglückten in Essen um 2,6 % anstieg, ist die Zahl in Mülheim um 12,9 % gefallen. Neun Menschen sind im vergangenen Jahr im Bereich des Polizeipräsidiums gestorben, alle auf Essener Straßen. In Mülheim, das 2011 noch drei Verkehrstote zu beklagen hatte, kam im vergangenen Jahr kein Mensch im Straßenverkehr ums Leben.
Leicht gestiegen ist in Mülheim allerdings die Zahl der verunglückten jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) von 90 auf 92 (Essen: von 342 auf 352), wobei die jungen Leute überwiegend mit dem Auto unterwegs waren.
Die Zahl der verunglückten Senioren ging 2012 in Mülheim um fast ein Viertel (24,3 %) zurück, von 70 auf 53.
Leicht angestiegen ist zwar die Zahl der Unfälle unter Alkohol-/Drogeneinwirkung – von 58 auf 61 (Essen: 227/233), womit die Entwicklung leicht gegen den Landestrend läuft, denn NRW-weit ging die Zahl um 4,3 % zurück. Zu den Hauptunfallursachen zählt die Polizei nach wie vor in beiden Städten Fehler beim Abbiegen/Wenden, Vorfahrtsfehler, Überholen und Geschwindigkeit. Detlef Bardeck, der die Statistik vorstellte, bilanzierte aber: „Die Schwere von Verkehrsunfällen hat immer etwas mit Geschwindigkeit zu tun.“
Erfreulicherweise ging die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Radfahrer und Fußgänger deutlich zurück. 88 Radler verunglückten 2012 in Mülheim (2011: 109) und 72 Fußgänger (2011: 104). 54 Radfahrer und 20 Fußgänger waren dabei selbst die Verursacher eines Unfalls. Die Polizei will künftig verstärkt an die Einsicht der schwächeren Verkehrsteilnehmer appellieren, etwa dazu, reflektierende Kleidung zu tragen. „Es gilt immer noch der Grundsatz: Solange ich jemanden sehe, werde ich auch gesehen, aber das stimmt nicht“, sagte die Polizeipräsidentin. „Die Verkehrsmoral mancher Radfahrer ist deutlich verbesserungsfähig“, ergänzte Detlef Bardeck. Sanktionen, mit denen Radler bei Regelverstößen – wenn sie etwa ohne Licht oder bei „Rot“ fahren – rechnen müssen, scheiterten oft an der „fehlenden Identifizierbarkeit“ räumte die Polizeipräsidentin ein. Da Radfahrer aber ohne Knautschzone unterwegs sind, sollen sie stärker für die Gefahren sensibilisiert werden.