Gelsenkirchen-Altstadt. „Arbeitsbeschaffer“ Lars Naundorf war in Gelsenkirchen unterwegs. Für ihn ist klar: Wenn Bewerber simple Tipps beachten, haben sie gute Chancen.

Lars Naundorf ist einer der bekanntesten Jobberater Deutschlands. Weil er wegen der Corona-Pandemie derzeit keine persönliche Beratung anbieten kann, tourt er durch die Republik – und hat nun auch Halt in Gelsenkirchen gemacht. Fünf Fragen an den Arbeitsvermittler aus Thüringen.

Herr Naundorf, was sind die häufigsten Fehler, die Arbeitssuchende machen?

Lars Naundorf: Viele schätzen bereits das Ziel eines Bewerbungsschreibens falsch ein. Das Ziel ist es nicht, den Job direkt zu bekommen, sondern neugierig auf sich zu machen. Eine Bewerbung darf kein Offenbarungseid sein. In den Stellenanzeigen stehen oft Formulierungen wie: Wir suchen eine zuverlässige und motivierte Kraft. Also schreibt der Bewerber in seiner Bewerbung genau das. Man sollte aber Mut haben, nicht so allgemein zu formulieren. Außerdem sind Bewerbungen oft zu Ich-bezogen, im Schnitt sprechen Bewerber 24 Mal von sich selbst und nur dreimal von dem Arbeitgeber. Wenn man diese Fehler nicht macht, ist es auch zweitrangig, wie lange man bereits arbeitslos ist. Insgesamt ist der persönliche Kontakt aber viel wichtiger als das Bewerbungsschreiben.

Was ist beim persönlichen Kontakt wichtig?

Ich habe hier in Gelsenkirchen einst eine türkischstämmige Dame beraten, die sich von ihrem Mann getrennt hat. Sie war 20 Jahre Hausfrau. Das darf man nicht als Defizit sehen, im Gegenteil. „Alle müssen jetzt wissen, wie gut ich kochen kann“ – mit dieser Haltung ist sie auf die Arbeitgeber zugegangen. So hat sie eine Visitenkarte nach der anderen auf der Bahnhofstraße eingesammelt.

Haben sich die Fragen und Sorgen ihrer Klienten durch die Coronakrise verändert?

Leider nehme ich eine größere Angst und Unsicherheit war. Dabei sind die Arbeitgeber gerade durch Corona bereit, alles infrage zu stellen, was vorher einbetoniert war. Alleinerziehende haben etwa mehr Chancen als zuvor. Sie können argumentieren, dass sie um 21 Uhr, wenn das Kind im Bett ist, vielleicht noch eine Stunde vom Homeoffice aus arbeiten können – also zu der Zeit, wenn ein Ehepaar die Zeit zusammen verbringt. Plötzlich hat man ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie erleben Sie die Jobberatung in Gelsenkirchen?

Hier ist besonders leicht, Kontakte zu Arbeitgebern zu finden. Es gibt eine große Offenheit. Außerdem gibt es in Gelsenkirchen das coolste Jobcenter der Republik. Von Flensburg bis Görlitz kenne ich keines, in dem man sich solche Gedanken macht.

Ihre eigene Arbeit wurde durch die Corona-Krise stark eingeschränkt. Aufgrund bestimmter Verordnungen dürfen Sie als zertifizierter Vermittler nicht digital oder telefonisch beraten, weshalb Sie derzeit durch Deutschland touren. Was nehmen Sie für sich und Ihre Klienten mit aus der Krise?

Wenn das Haus brennt, kann einen nur noch die Feuerwehr retten. Wenn ich aber einen Rettungsplan habe, bin ich abgesichert. Gerade die Menschen, die jetzt in Kurzarbeit sind, sollten sich Gedanken darüber machen, was sie für Stärken und Begabungen haben und alternativ machen könnten. Dann bleibt im Fall der Fälle eine böse Überraschung aus. Aufgeben darf keine Option sein.