Nach 163 Schuss war die „K-Frage“ beantwortet: Manfred Schäfer und Birgit Rabe sind Bülses neues Königspaar.

Bald wird er fallen. das Schützenfest in Buer Bülse, Königschießen am Montag, 24.05.2010.Foto: Heinrich Jung WAZFotoPool
Bald wird er fallen. das Schützenfest in Buer Bülse, Königschießen am Montag, 24.05.2010.Foto: Heinrich Jung WAZFotoPool © WAZFotoPool

Der „Geier von Amsterdam“ wehrte sich lange. Um halb fünf erst, nach 163 Schüssen, stand Bülses neuer König der Schützen fest: Er heißt Manfred Schäfer, die Frau an seiner Seite ist Birgit Rabe. Gestern Abend fand im Festzelt die feierliche Inthronisierung statt: Bülse verneigte sich vor Manfred I. und Birgit I., den legitimen Nachfolgern Patrick Ludorfs und Sonja Seiferts.

Natürlich ging es beim Schützenfest des BSV Buer-Bülse 1926 nicht nur um die „K-Frage“, sondern auch um Unterhaltung. Und die bot das viertägige Treiben reichlich – obwohl das Fest unter keinem guten Stern zu stehen schien. Es fing damit an, dass die Hebevorrichtung, an der der Vogel hing, nicht funktionierte – Motor kaputt! Nur mit viel Körpereinsatz gelang es den Bülsern, das hölzerne Tier kurz vor Beginn des Schießens doch noch an exponierter Stelle zu installieren. Die nächste Botschaft Hiobs folgte Samstag Nachmittag, fünf nach vier. Das Management von Axel Fischer rief an, der Stargast musste seinen für 22 Uhr geplanten Auftritt absagen. Zunächst herrschte Katzenjammer bei den Organisatoren um Klaus Lindner, doch die Bülser fanden schnell Ersatz: Schlagersänger Klaus Densow kam in den buerschen Norden und war mehr als eine Notlösung. „Besser hätte der Fischer das auch nicht machen können“, lautete der einhellige Kommentar der größtenteils grün uniformierten Festgesellschaft. Überhaupt erfuhr das Programm viel Lob. Auch die Michael-Jackson-Party am Freitagabend. „Als wir das erste Mal darüber gesprochen haben, dachten wir: verrückte Idee“, sagte Susanne Bohlenz, die Geschäftsführerin des BSB Bülse. „Wir waren zwar skeptisch, aber die Party war ein voller Erfolg.“ Ebenso der Samstag, der musikalisch von Densow und den Zillertaler Bergcasanovas gestaltet wurde. Indes füllte sich das Zelt recht langsam, nicht wenige Besucher kamen wohl erst nach dem Champions-League-Finale zur Steinheimer Straße.

Nicht nur die alte Garde, auch die Jugend fand offenbar Gefallen an den heimatlichen Melodien – zumindest stürmten auch viele Teenies die Tanzfläche, als die Gäste aus Tirol loslegten. „Das zeigt, dass wir eine gute Jugendarbeit machen“, so Bohlenz. Der BSV sei der Verein mit dem meisten Nachwuchs im Schützenkreis, der neben Gelsenkirchen auch Westerholt, Polsum, Gladbeck und Teile Bottrops umfasst. Die Jungen und die nicht mehr ganz so Jungen Seit’ an Seit’, „das steht bei uns im Vordergrund, nicht den Vogel abzuballern oder Bier zu saufen“, sagte die Geschäftsführerin. Und manchmal entstehen so Bünde fürs Leben: Bohlenz und ihr Mann etwa haben sich über den Verein kennengelernt.

„Daumen hoch“ für Bülse 2010. Schon vor anderthalb Jahren begannen die Planungen für das Schützenfest, seit drei, vier Wochen war die Koordination quasi eine Vollzeit-Aufgabe. „Wenn ich meine Handyrechnung sehe – für das Geld könnte ich eine Woche nach Malle fahren.“ Nun haben die Bülser wieder etwas Ruhe. Das 36. Schützenfest des BSV findet erst in zwei Jahren statt.

Übrigens: Den Beinamen „Geier von Amsterdam“ erhielt der Holz-Vogel in Erinnerung an das letzte Bülser Schützenfest. Damals hörten sie im Festzelt den Party-Hit „Traum von Amsterdam“ rauf und runter und schwooften dazu, was das Zeug hielt. Logisch also, dass dieses Lied auch jetzt wieder mehr als einmal gespielt wurde.