Es ist der wohl größte Beifang der aktuellen Drogenrazzien in der Stadt: Der gesuchte Sex-Täter Andreas H. ist der Polizei nach Tagen der Fahndung ins Netz gegangen. Der 46-Jährige wurde gestern einem Richter vorgeführt und wartet nun in der Untersuchungshaft auf seinen Prozess. Der einschlägig vorbestrafte Essener steht „unter dem dringenden Tatverdacht“, so die Staatsanwaltschaft, seine 30 Jahre alte Nachbarin in ihrer Wohnung an der Steeler Straße in Huttrop überrumpelt, drei Tage lang eingesperrt und mehrmals vergewaltigt zu haben, bevor er sie am 10. März freiließ (die NRZ berichtete). Bislang schweigt Andreas H. zu diesen Vorwürfen, berichtete gestern Oberstaatsanwältin Anette Milk.

Es waren Beamte der Bundespolizei, die seit Beginn der Woche und so auch am Mittwochabend gegen 18 Uhr im Bahnhof Essen-West nach Rauschgifthändlern suchten, aber zu ihrer eigenen Überraschung den mit Haftbefehl gesuchten mutmaßlichen Vergewaltiger fanden: Andreas H. saß volltrunken auf einem der Stühle in der Empfangshalle des Gebäudes. Schnell stellten die Polizisten die Identität ihres Gegenüber fest, was der mit den Worten kommentierte: „Habt ihr gut gemacht, ich komm’ freiwillig mit.“

Bei der Durchsuchung des Beschuldigten fanden die Beamten einen Schlüssel, der zu einem Schließfach im Essener Hauptbahnhof gehört. Dort hatte Andreas H. seine Reisetasche deponiert, die neben Kleidungsstücken auch „tat-relevante Gegenstände“ enthielt. Dabei handele es sich jedoch nicht um das Messer, mit der der Sex-Täter seine Nachbarin bedroht haben soll, stellte Oberstaatsanwältin Anette Milk klar, sondern um Dinge, die das Opfer beschrieben hatte. Nähere Angaben wollte die Behördensprecherin dazu nicht machen.

Nach der Festnahme des Gesuchten blies die Justiz gestern eine bereits eingestielte Öffentlichkeitsfahndung ab. Für Hinweise auf den Täter sollte eine Belohnung ausgesetzt werden und es gab ein aktuelles Foto von Andreas H., das bei der Suche helfen sollte. Es stammt aus einer Überwachungskamera einer Duisburger Bank. Es zeigt den 46-Jährigen am 15. März beim Geldabheben und gleichzeitig, wie sehr die mehrköpfige Ermittlungskommission der Essener Kripo den Straftäter auf der Flucht im Visier hatte.

Die Behörden wussten um die Gefährlichkeit des Mannes: Andreas H. ist ein einschlägig vorbestrafter Gewalttäter, der nach der Vergewaltigung einer Familienangehörigen im Jahr 2004 zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. 2010 kam er wieder auf freien Fuß, wenn auch unter Auflagen. Unter anderem musste er seine Alkoholsucht therapieren lassen. Doch Andreas H. wurde rückfällig. Bei einer wiederholten Verurteilung droht dem 46-Jährigen nun eine Sicherungsverwahrung. Anette Milk teilt diese Einschätzung: „Darüber würde man sicherlich nachdenken“, sagte die Behördensprecherin.