Mülheim. Lebenslange Vereinstreue wird im Amateurfußball selten. Daniel Molitor ist von Kindesbeinen an bei Blau-Weiß Mintard. Warum, und was ihm besonders in Erinnerung bleibt.
- Daniel Molitor ist seit 1987 bei Blau-Weiß Mintard Vereinsmitglied. Er hat als Spieler alle Jugend-Mannschaften durchlaufen, war Kapitän der ersten Mannschaft und ist auch als Trainer zur Not immer wieder in der Landesliga eingesprungen.
- Auch zuletzt stand der 42-Jährige interimsweise wieder an der Seitenlinie. Mintard ist fußballerisch in Mülheim seine „große Liebe“. Die hätte er, wenn, nur für eine andere verlassen – den 1. FC Köln.
- Aus fast 40 Jahren bei Blau-Weiß bleiben Molitor vor allem legendäre Fahrten in Erinnerung. Ebenso habe er viele Freunde und eine Gemeinschaft gefunden, die er nicht mehr missen möchte.
Endlich kann Daniel Molitor ein Versprechen gegenüber seiner Familie einlösen. Denn eigentlich wollte der mehrfache Coach von Blau-Weiß Mintard schon im Sommer beim Fußball-Landesligisten aufhören. Doch nach dem Aus von David Odonkor musste er als Interimscoach einspringen. Wieder einmal. Immer wenn bei der DJK Not am Mann ist, ist der 42-Jährige zur Stelle.
„Im Moment ist es mal ganz schön“, schmunzelt Molitor und meint, nicht mehr öfters in der Woche zum Training der ersten Mannschaft fahren zu müssen sowie am Wochenende zum Spiel. „Ich hoffe, das bleibt jetzt auch erstmal so, ich will nicht nochmal Ostern einspringen müssen“, lacht der mehrfache Interimstrainer, der aber große Hoffnungen in Rückkehrer Marco Guglielmi setzt. Künftig will er sich wieder mehr auf die Arbeit im Vorstand konzentrieren, zudem läuft er für die Altherrenmannschaft auf.
Vom Vater mit dem Mintard-Virus infiziert
Daniel Molitor und Blau-Weiß Mintard – diese Ehe hält nun schon seit 1987. „Mein Vater hat immer schon in Mintard gespielt. Er mich dann irgendwann mitgenommen und auch angemeldet. Das war für ihn überhaupt keine Frage.“

Als Siegfried Molitor Trainer der B- und A-Jugend sowie der zweiten Mannschaft war und selbst in der „Ersten“ kickte, war Sohn Daniel, den heute alle nur noch „Molle“ rufen, bei Wind und Wetter auf dem Platz. Dem Verein von da an quasi ein Leben lang treu zu bleiben, war da logischerweise nicht absehbar. „Das planst du ja nicht mit fünf oder sechs Jahren“, lacht Molitor. Bei vielen ist das Ende der Juniorenzeit oftmals ein Grund, um einem Klub Lebewohl zu sagen.
Fußball in Mülheim: „Mintard eine der schönsten Platzanlagen hier in der Ecke“
„Die Frage stellte sich bei mir aber nicht. Wenn du den Sport liebst, dann bleibst du auch dem Fußball nach der Jugend verbunden“, betont der Mintarder. Zumal damals auch viele aus seinem Jahrgang in die Senioren gewechselt seien. „Du kennst also viele und fühlst dich wohl“, nennt Molitor Gründe, warum er nie aus Mintard wegging. Zudem sei die Platzanlage für ihn eine der schönsten in der Region. „Da fühlt man sich wohl, im Sommer nach dem Training da zu sitzen und mit den Jungs doofes Zeug zu quatschen“, sagt der Ur-Mintarder.

Der hat auch überragende Erinnerungen an seine Jugendzeit. Durch die Kontakte von Trainer Helmut Peskes flog die A-Jugend damals für drei Wochen in die USA. Los Angeles, Walk of fame, Hollywood-Schriftzug – das volle Programm. „Wir haben an Turnieren teilgenommen, gegen einen Verein deutscher Auswanderer gespielt und waren beim Baseball. Das kostete zwar auch ein bisschen was, aber das erlebst du ja mit 18 oder 19 Jungs in deinem Alter sonst nicht.“
Wie der Mintarder zum „Effzeh“-Fan wurde
Mit einigen von damals spielte Molitor seit der D-Jugend durchgehend zusammen – etwa Christian Werle, heute Trainer der zweiten Mannschaft, oder den aktuellen zweiten Vorsitzenden Matthias Bindschus. „Bei den Alten Herren sind wir ein großer Kreis von 60 Leuten, davon kenne ich mindestens 25 seit 30 Jahren und länger.“
Den Verein zu wechseln, kam für den früheren Stürmer und späteren Verteidiger nie in Frage. Mit einer Ausnahme: „Wenn die Kölner mich gefragt hätten, dann wär‘ ich hingegangen“, lacht der leidenschaftliche „Effzeh“-Fan. „Als Kind fand ich Illgner und Littbarski gut und dann entwickelt sich sowas“, erklärt er seine Vereins-„Wahl“.
Welche Erlebnisse dem Mintarder Urgestein in Erinnerung bleiben
Sportlich erinnert sich der langjährige Blau-Weiße an ein irres Saisonfinale 2007, als die DJK mit fünf Siegen in Folge am letzten Spieltag noch die Bezirksliga hielt. „Danach hatte ich aber auch zwei Tage frei“, erinnert sich der Fußballer mit einem Lachen. Mit den Alten Herren erreichte BWM 2022 die inoffizielle Deutsche Meisterschaft. Ein Tor fehlte im letzten Gruppenspiel, um im Achtelfinale gegen den FC Bayern München zu spielen.

Mit Alten Herren und dritter Mannschaft gab es 2017 eine Mallorca-Tour mit nahezu 50 Leuten. „Sowas ist ja ganz, ganz selten nur“, findet Daniel Molitor, der schon 2007 mit mehreren Blau-Weiß-Kickern einen eigenen Kegelclub gründete. „Das ist alles durch den Fußball entstanden. Sowas gebe ich doch nicht her, um mal bei einem anderen Verein Trainer zu sein“, verspricht der 42-Jährige.
Viel Zuspruch nach Hodenkrebs-Erkrankung
Beeindruckt hat ihn auch die Hilfsaktion nach der Flut im Sommer 2021. „Wie wir da drei Wochen lang aufgeräumt haben, hat schon gezeigt, dass der Zusammenhalt groß ist, wenn es hart auf hart kommt“, sagt Molitor. Gleiches gilt für die Phase, als er zwischenzeitlich an Hodenkrebs erkrankte. „Was ich da für einen Zuspruch gekriegt habe, das hat schon gut getan. So eine quasi zweite Familie hilft auch, egal welche Kapriolen das Leben macht. Wenn man so gar keine Hobbys hat, ist es schwer, positiv aus manchen Sachen rauszukommen“, glaubt er.

Für die Zukunft wünscht er seinem Klub etwas mehr Ruhe in der ersten Mannschaft. „Wir sind ja mit Ausnahme der letzten Jahre in der Ersten ein ruhiger Verein mit wenig Wechseln im Vorstand.“
Fußball in Mülheim: Weitere Nachrichten
- Mit 35 Jahren: VfB Speldorf holt früheren Kapitän zurück
- 39 U19-Fotos: MFC - Speldorf – Zwei Rote, drei Tore in der Nachspielzeit!
- Fußball: Stadtmeisterschaft Halle Mülheim für weitere drei Jahre gesichert
- Fußball für Mädchen: Dieser Verein will eine Lücke in Mülheim schließen
- Bis zu 1000 Fans: RSV mischt vor 50 Jahren Mülheims Fußball auf
- Weitere Berichte aus dem Mülheimer Lokalsport lesen Sie hier.
- Weitere Mülheimer Nachrichten aus dem Lokalen gibt es hier.
- Und wenn Sie Lokalsport-Themen aus anderen Städten lesen wollen, sind Sie hier richtig.