Mit einer blamablen Vorstellung ist die deutsche Nationalmannschaft in die WM-Saison gestartet. Das 3:3 gegen Paraguay offenbarte große Defensiv-Probleme.

Kaiserslautern (SID) -

Mit einer blamablen Vorstellung und großen Defensiv-Problemen ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in die WM-Saison gestartet. 302 Tage vor dem Turnier in Brasilien offenbarte das 3:3 (2:3) im Länderspiel gegen Paraguay noch eine Menge Arbeit für Bundestrainer Joachim Löw, dessen Mannschaft in den beiden letzten Tests allein sieben Gegentore (zuletzt 3:4 in den USA) kassierte und zudem für eine Rarität sorgte: Denn letztmals kassierte eine DFB-Auswahl in einem Heimspiel 1964 unter Sepp Herberger beim 3:4 gegen die Tschechoslowakei drei Gegentreffer in der ersten Halbzeit.

Ariel Nunez (9.) und Wilson Pittoni (13.) hatten die Südamerikaner nach katastrophalen Abwehrfehlern schon früh mit 2:0 in Führung geschossen, bevor der Dortmunder Ilkay Gündogan (18.) und der Münchner Thomas Müller (31.) vor 47.522 Zuschauern im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern für den vorübergehenden Ausgleich sorgten. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erzielte Miguel Samudio (45.+1) den dritten Treffer der Gäste, der eingewechselte Leverkusener Lars Bender (75.) setzte den Schlusspunkt.

Dabei hatte Löw gegen die Südamerikaner seine derzeitige Bestbesetzung aufgeboten. Die Zeit der Experimente ist offenbar drei Wochen vor den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Österreich (6. September) und auf den Färöer (10. September) vorbei. In der Abwehrreihe gab Löw seinem England-Legionär Per Mertesacker vom FC Arsenal den Vorzug vor dem Münchner Jerome Boateng. Allerdings bestritt Mertesacker wie auch die "Spanier" Sami Khedira und Mesut Özil von Real Madrid sowie Miroslav Klose von Lazio Rom bisher noch kein Pflichtspiel.

Löw setzte auf Bewährtes und sah sich zumindest in der Offensive schon in den ersten Minuten bestätigt, als Marco Reus Gäste-Torhüter Justo Villar mit einem Freistoß (3.) zu einer Glanzparade zwang.

Allerdings blieb die Defensive die vom DFB-Coach im Vorfeld der Begegnung geforderte Stabilität mehr als schuldig. Nach einem Stellungsfehler des Dortmunders Mats Hummels landete der erste Torschuss des Weltranglisten-49. von Nunez unhaltbar für Torhüter Manuel Neuer im Netz. Nachdem Klose mit einem Lupfer das gegnerischen Tor knapp verfehlt hatte, wurde die deutsche Mannschaft erneut kalt erwischt, als auch der zweite Torschuss durch Pittoni seinen Weg ins DFB-Gehäuse fand - diesmal nach einem Patzer von Khedira.

Paraguay mit dem ehemaligen Bayern-Profi Roque Santa Cruz suchte und fand die Lücken im deutschen Mittelfeld und in der Vierer-Abwehrkette. Erst der Anschlusstreffer von Gündogan von der Strafraumgrenze sorgte wieder für Hoffnung und Stimmung auf den Rängen. Doch auch in der Folge wackelte die DFB-Defensive auch bei Standardsituationen bedenklich. So musste Gündogan nach einem Eckball auf der Linie klären, bwevor er nach 25 Minuten wegen erneuter Rückenprobleme den Platz verlassen musste. Für ihn kam Lars Bender.

Nach einem präzisen Pass von Hummels nutzte schließlich der freistehende Müller seine Chance souverän zum Ausgleich. Zumindest in vorderster Front bewies die deutsche Mannschaft zumindest phasenweise ihre gewohnte Stärke, bevor kurz vor der Pause die nächste kalte Dusche folgte.

Völlig schockiert und mit Pfiffen reagierten die Fans auf dem Betzenberg, die Lust auf die Nationalelof schienen sie verloren zu haben. Totenstille begleitete die ersten Angriffsversuche mit einem Schussversuch von Klose nach dem Wechsel. Der Römer blieb folglich bis zu seiner Auswechslung ohne Tor und belegt damit in der "ewigen" Torjägerliste weiterhin mit einem Tor Rückstand (67 Tore) Rang zwei hinter dem "Bomber" Gerd Müller.

Die Zuschauer sahen in der Folge nur wenige Möglichkeiten der Gastgeber, die auf Paraguay zuvor nur einmal im Achtelfinale der WM 2002 (1:0) getroffen waren. Die Südamerikaner hatten sich in der Abwehr wesentlich besser auf das deutsche Spiel eingestellt, erst Benders wuchtiger Flachschuss überwand Gäste-Keeper Villar zum dritten Mal.