München. Bayern München kann nach dem 2:0 gegen den FC Zürich für die Gruppenphase der Champions League planen. Doch weiterhin liegt beim Rekordmeister einiges im Argen. Präsident Uli Hoeneß soll in der Halbzeit sogar in der Kabine aufgetaucht sein.

Uli Hoeneß war ganz in seinem Element. Der Präsident von Bayern München sprang von seinem VIP-Sessel einige Male mit hochrotem Kopf wild gestikulierend auf. In der Halbzeitpause soll er sogar wutentbrannt in die Kabine gestürmt sein, auch wenn es nach dem 2:0 (1:0) gegen den FC Zürich darüber sehr unterschiedliche Ansichten gab.

Während Lahm und Torwart Manuel Neuer immerhin einräumten, dass Hoeneß in der Pause in der Kabine gewesen sein, aber nichts gesagt habe, hatte Heynckes den Präsidenten „gar nicht gesehen. Nur ich habe gesprochen“. Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge betonte, dass dies „ausdrücklich nicht“ stimmen würde.

Sportdirektor Christian Nerlinger sagte zu den Diskussionen: „Was bei uns in der Kabine passiert, das passiert auch in der Kabine und ist nichts für die Öffentlichkeit“, sagte er. Offenbar bedurfte es aber keiner großen Worte von Hoeneß. „Eines ist ganz klar, dass die Spieler wussten, um was es hier geht. Da muss man nicht darauf hingewiesen werden.“

Robben sprach Klartext

Obwohl sich der deutsche Rekordmeister für das entscheidende Play-off-Rückspiel am kommenden Dienstag (23. August, 20.45 Uhr/Sat.1 und Sky und im Live-Ticker von DerWesten) und das Erreichen der Gruppenphase in der Champions League eine glänzende Ausgangsposition verschafft hat, offenbarte der Heimerfolg gegen den Schweizer Vizemeister erneut viele Mängel und sorgte nicht nur bei Hoeneß für einigen Ärger. Während es die Abteilung Attacke nach dem Spiel jedoch vorzog, auf einen Kommentar zu verzichten, sprach wenigstens Superstar Arjen Robben Klartext.

„Wir müssen realisieren, dass wir noch nicht gut genug spielen. Das müssen wir verbessern, sonst wird es diese Saison ganz schwierig“, sagte der 27 Jahre alte Niederländer bei Sky und präzisierte seine Kritik: „Wir machen zu viele Fehler und spielen nicht aggressiv genug nach vorne. Wir brauchen mehr Leidenschaft. Wir haben so viel Qualität in der Mannschaft, die müssen wir auch zeigen.“

Lahm sieht "eine Entwicklung"

Kapitän Philipp Lahm wollte nach dem holprigen Bundesligastart dagegen „eine Entwicklung“ gesehen haben. „Wir waren offensiv viel besser. Man hat unsere Klasse gesehen. Der FC Bayern gehört in die Champions League, das haben wir gezeigt.“

Auch Trainer Jupp Heynckes registrierte, dass es in der zweiten Halbzeit „eine Verbesserung im Spiel nach vorne“ gegeben habe. Mit der mangelhaften Chancenauswertung war aber auch er nicht zufrieden: „Wir müssen die Chancen besser nutzen. So haben wir leider nur 2:0 gewonnen.“ Gemeint war vor allem Torjäger Mario Gomez, der eine Vielzahl von erstklassigen Möglichkeiten liegen ließ.

So konstatierte Heynckes nicht nur in Bezug auf Gomez, „dass wir noch nicht am Limit sind. Die Spieler haben noch Luft nach oben.“ Gleichzeitig zeigte sich der 66-Jährige aber vor dem Bundesligaspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky und im Live-Ticker von DerWesten) gegen den Hamburger SV zuversichtlich, „dass es von Spiel zu Spiel besser wird und wir ins Rollen kommen“.

Gegen den harmlosen FC Zürich wurden die Bayern-Stars den hohen Ansprüchen aber einmal mehr nicht gerecht. Für Sportdirektor Christian Nerlinger liegt dies auch an „der enormen Erwartungshaltung, die wir an die Mannschaft haben. Der Druck ist riesig. Deshalb ist jedes Erfolgserlebnis wichtig“, meinte er. (sid)