Düsseldorf. . In den nächsten 20 Jahren beteiligt sich Nordrhein-Westfalen jeweils mit 44 Millionen am Bund-Länder-Programm. Auch in NRW ist die Hochwasser-Gefahr nicht gebannt. Kritik gibt es an langen Planungszeiten für Deiche und Polder. Gipfel für Ende des Jahres angekündigt.

Von der Hochwasser-Katastrophe im Süden und Osten Deutschlands blieb Nordrhein-Westfalen verschont: Trotzdem werden erste finanzielle Folgen deutlich. NRW beteiligt sich in den nächsten 20 Jahren mit jeweils 44 Millionen Euro am Bund-Länder-Programm zur Fluthilfe. Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) dankte in einer Erklärung den 10 000 NRW-Fluthelfern für ihren Einsatz in den Hochwassergebieten. Gleichzeitig rückten die erheblichen Hochwassergefahren in Nordrhein-Westfalen in den Vordergrund.

Der CDU-Abgeordnete Günther Bergmann kritisierte im Landtag die langen Planungszeiten für neue Deiche und Polder in NRW. Am Niederrhein liefen Planungen teilweise seit 15 Jahren, ohne dass eine Genehmigung der Bezirksregierung vorliege. Dabei drohten im dicht besiedelten und industriereichen NRW bei ei­nem Jahrhunderthochwasser geschätzte Schäden bis zu 200 Milliarden Euro. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) kündigte für Ende 2013 einen „Hochwassergipfel“ an. FDP-Fraktionschef Christian Lindner kritisierte, dass NRW die Fördergelder im Hochwasserschutz 2013 von 40 Millionen auf 30 Millionen Euro absenke. Kraft verwies auf ein zinsgünstiges Kreditprogramm der NRW.Bank mit einem Volumen bis zu 20 Millionen Euro. Allein am Rhein müssen 1,4 Millionen Menschen vor Hochwasser geschützt werden. Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen forderte die südlichen Bundesländer auf, ihre Programme zum Hochwasserschutz mit Blick auf den Klimawandel zu forcieren.

Alle Fraktionen begrüßten die Bund-Länder-Einigung, wonach die Länder 3,25 Milliarden der insgesamt acht Milliarden Euro Fluthilfe tragen werden. In Sachsen-Anhalt waren in der Spitze 4300 haupt- und ehrenamtliche Kräfte des Feuer- und Katastrophenschutzes vor Ort. Nach Angaben Krafts konzentrierte sich die NRW-Hilfe auch auf Sachsen und Niedersachsen. Zur Verstärkung der Deiche hatte NRW 1,3 Millionen Sandsäcke zur Verfügung gestellt. In den Verhandlungen mit den Ländern hatte sich der Bund bereit erklärt, die Fluthilfe komplett vorzufinanzieren.

Lindner forderte zudem Regelungen im Planungsrecht. Wenn Bürger in Dresden neue Deiche blockierten, weil ihnen der Blick auf die Elbe verbaut würde, sei das beim Hochwasserschutz nicht akzeptabel. Für Tumulte in den Reihen von SPD und Grünen sorgte CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann mit der Forderung an Kraft, „ihre Misstrauenskultur gegenüber der Bundeswehr aufzugeben“. Kraft danke den Soldaten für ihren Hilfseinsatz, gleichzeitig wollten rot-grüne Kräfte die Bundeswehr aus den Schulen verdrängen, attackierte Laumann. Kraft wies den Vorwurf scharf zurück.

Von Wilfried Goebels