Berlin. Das Verhalten der Kaiserpinguine ist noch wenig erforscht. Neue Technologien könnten nun mehr darüber enthüllen.

Obwohl Kaiserpinguine als Symbol der Antarktis gelten, wissen Forscher erstaunlich wenig über ihr Verhalten und ihre Lebensweise. Neue Technologien sollen nun helfen, die Geheimnisse der Vögel zu lüften.

Über Jahrzehnte hinweg konnten Forscher nur wenige Kaiserpinguin-Kolonien untersuchen, da sie auf Standorte angewiesen waren, die mit Expeditionen erreichbar sind. Doch vor rund 15 Jahren sorgte eine unerwartete Entdeckung für Aufsehen. Satellitenaufnahmen zeigten dunkle Spuren im Schnee, die sich als Pinguinkot entpuppten. Mithilfe dieser Methode konnte die Zahl der bekannten Kolonien auf 66 erhöht werden.

Ein Roboter lüftet das Geheimnis der Kaiserpinguine

Während Satelliten das große Bild liefern, sorgt ein neuer Hightech-Helfer für detaillierte Einblicke: Der autonome Roboter „ECHO“ durchstreift eine Kaiserpinguin-Kolonie in der Atkabucht. Entwickelt von der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) in den USA, liest er Funkchips aus, mit denen Wissenschaftler einzelne Pinguine markiert haben.

Mit Kamera und Entfernungsmesser ausgestattet, erstellt der Roboter 3D-Bilder und weicht Hindernissen selbstständig aus. Künstliche Intelligenz hilft ihm, Pinguine zu erkennen und sich ihnen behutsam zu nähern. So können Forscher erstmals die Lebensweise einzelner Tiere über Jahre hinweg verfolgen – ohne sie zu stören.

Kaiserpinguine: Anpassungskünstler mit Einschränkungen

Kaiserpinguine sind die größten Pinguine der Welt und perfekt an die lebensfeindliche Kälte der Antarktis angepasst. Ihr dichter Federkleid und die dicke Fettschicht halten sie warm, doch ihre Körperfülle hat einen Nachteil: Während kleinere Pinguinarten felsiges Terrain überwinden können, bevorzugen Kaiserpinguine flachen Boden. Deshalb errichten sie ihre Kolonien auf festem Meereis. Ein Lebensraum, der durch den Klimawandel zunehmend bedroht ist.

Ihre Fortpflanzungsstrategie ist einzigartig: Die Weibchen legen im antarktischen Winter ein einziges Ei und überlassen es den Männchen, die es auf ihren Füßen ausbrüten. Wochenlang stehen sie eng aneinandergedrängt, trotzen Temperaturen von bis zu minus 50 Grad und fasten, bis die Küken im Frühjahr schlüpfen. Dann kehren die Weibchen mit Nahrung aus dem Südpolarmeer zurück.

Kaiserpinguine könnten bis 2100 ausgestorben sein

Doch der Klimawandel setzt den Kaiserpinguinen zu. Steigende Temperaturen sorgen dafür, dass das Meereis früher im Jahr bricht – zu früh für viele Küken, die ertrinken oder verhungern.

Die US-Fischereibehörde hat den Kaiserpinguin deshalb offiziell als bedrohte Art eingestuft. Eine Entscheidung, die vor allem symbolischen Charakter hat, denn effektive Schutzmaßnahmen sind schwer durchzusetzen. Forscherinnen und Forscher wie die Seevogelökologin Stephanie Jenouvrier von der WHOI warnen: Ohne drastische Klimaschutzmaßnahmen könnte die Art bis zum Jahr 2100 nahezu ausgestorben sein.