Bochum.. Auch die 8. Urbaniatix-Show in der Jahrhunderthalle bietet beste Unterhaltung mit Live-Musik, Video-Performance, Tanz, und Akrobatik.
Immer Volldampf voraus. Auch bei der neuesten Urbanatix-Show, der achten seit 2010, bleibt den Besuchern in der Jahrhunderthalle keine Zeit zum Luft holen. Die Show ist überschrieben mit „Drop the beat“, lass den Rhythmus/den Takt fallen.
Pausen sind nicht vorgesehen in dieser verführerischen Mischung von Live-Musik und Video-Performance auf einer erneut neu gestalteten Bühne. Zwei Schlagzeuge und zwei Schlagzeuger (Dennis Brzoska, Jonas Wilms) geben zusammen mit Martin Korecki (Gitarre), Carlos Howard (Beatbox) und vor allem Robert Wolf alias Robeat über der breiten Videowand den Ton an, den Beat vor. Den Beat für die wieder wunderbar unterhaltsame Vermischung von Parkour, Free-Running, Tanz, Tricking, Biken, Catwall-Trampolin.
Eine Welt ohne Schwerkraft
Es ist wie die Fahrt in einem Formel-Eins-Boliden – ohne Boxenstopp. (Fast) immer Vollgas, auch in den Kurven. Getankt wird später. Höhepunkt folgt Höhepunkt folgt Höhepunkt. Alle eint, dass die Profis und die Streetartisten es – wieder – schaffen, schwierigste Dinge zum Teil spielend leicht aussehen zu lassen und so, als würde es die Schwerkraft nicht geben. Flieg, Du bist frei. So wie Alexandra Royer, der (heimliche) Star dieser Show. Bei ihrem ersten Auftritt stellt man sich jedesmal die Frage, ob sie den nur 15 Zentimeter breiten Balken des „Russian Bar“ trifft, von dem sie von ihren Partnern Eric Bates und Tristan Nielsen bis unter die Hallendecke geschleudert wird. So viel vorweg, ohne zu viel vorweg zu nehmen: Sie trifft ihn jedesmal – und das mit solch einer Präzision, Eleganz und Leichtigkeit, dass man nicht den Eindruck hat, dass das überhaupt schwierig ist.
Ihr gehört auch ganz einer der wenigen wirklich ruhigen Momente des Abends. Da fliegt und turnt sie am sogenannten „Arial Hoop“, einem Reifen, über die Köpfe des Ensembles, das andächtig zu ihr hinauf blickt und ebenso wie das Publikum den Moment zu genießen scheint. Augenblick, verweile doch. (Zu) schnell ist er weg, weil es rasant weiter, immer weiter geht. Stark auch Karyna Konchakivska und Suren Bozyan, die sich gegenseitig an Seilen in die Höhe wirbeln, oder Eric Bates, der mit „Zigarrenkisten“ jongliert, Michael van Beek, der das mit Basketbällen macht. Herausragend aber sind vor allem die Momente, in denen alle Artisten auf der Bühne versammelt sind, gemeinsam tanzen oder das zeigen, was sie bei für diese Show bei Warren Richardson gelernt haben.
Er war viele Jahre als Bodypercussionist bei „Stomp“ und studierte mit dem Urbanatix-Team eine Performance ein, bei der der eigene Körper als Beat-Instrument eingesetzt werden kann. Da werden Körper zu Schlagzeugen. Auch der von Charlie Mach.
Der kann sich wie alle anderen Profis auch ein- und unterordnen. Er kann aber auch, so wie mit seiner Nummer „Acrobatic Chair“, alleine die große Bühne füllen und wunderbar unterhalten. Er ist, wenn man denn so will, der männliche Hauptdarsteller des Abends. Sein Auftritt hat auch immer mal wieder etwas von Charlie Chaplin. Der große Künstler schimmert bei ihm auch bei seiner zweiten Nummer durch. Die teilt er sich mit seinen Freunden Zachary Arnaud, Baptiste Clerc und Boris Fodella. Das Quartett bespielt brillant das Schleuderbrett und den vertikalen Mast.