Der Innenminister aus Mecklenburg-Vorpommern äußerte sich im Kabinett über die Problematik um die Rostocker Ruderin Nadja Drygalla.

Schwerin/London. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat zurückhaltend auf den Vorschlag einer Extremismusklausel bei der Sportförderung reagiert. Er würde momentan keiner Regelung zustimmen, mit der "wir wieder in das System der Gesinnungsschnüffelei zurückfallen“, sagte Caffier vor einer Kabinettssitzung am Dienstag in Schwerin.

Im Bundesinnenministerium gibt es seit Ende 2011 Überlegungen, in die Förderrichtlinien für Spitzensportler auch ein „Demokratiebekenntnis“ aufzunehmen. Dies habe aber nichts mit dem Fall der Olympia-Ruderin Nadja Drygalla zu tun, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Dienstag in Berlin. Berichte, die einen solchen Zusammenhang herstellten, müssten insofern „ausdrücklich dementiert“ werden. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) fordere zunächst eine gründliche Aufklärung der Vorgänge, sagte der Sprecher.

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Während der Sitzung der rot-schwarzen Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern wollte Caffier seine Kabinettskollegen über den Fall der Rostocker Ruderin Nadja Drygalla informieren. Die 23-Jährige aus dem Deutschland-Achter der Frauen hatte das Olympische Dorf in London verlassen, nachdem ihre Beziehung zu einem aktiven NPD-Mitglied bekannt geworden war.

Das Innenministerium wusste nach eigenen Angaben schon Mitte 2011 darüber Bescheid und suchte das Gespräch mit der Sportlerin. Drygalla brach ihre Ausbildung bei der Landespolizei vorzeitig ab und schied auch aus der Sportfördergruppe aus.

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Den Angaben zufolge war der Deutsche Olympische Sportbund nicht über Drygallas Nähe zu einem Neonazi informiert worden. Auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) habe davon erst nach der vorzeitigen Abreise Drygallas aus London erfahren. Die Ruderin distanzierte sich inzwischen öffentlich von rechtsextremem Gedankengut, ihr Freund verließ die NPD.

Für den Chef de Mission des deutschen Olympia-Teams, Michael Vesper, ist der Fall Drygalla vorerst beendet. „Für uns ist die Angelegenheit Drygalla bis zum Ende der Olympischen Spiele abgeschlossen“, sagte Vesper am Montag. Nach den London-Spielen solle die Causa sportintern geklärt werden.

Bedarf für eine noch strengere Prüfung des Athletenumfeldes sieht der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) dagegen nicht. „Wir wollen keinen sportinternen Geheimdienst und keine Gesinnungsprüfung“, sagte der Spitzenfunktionär. Der DOSB hatte erklärt, dass er keine Mitteilungen über die Beziehung der Athletin zu Michael Fischer, einem Direktkandidaten der rechtsextremen NPD bei den Landtagswahlen 2011 in Mecklenburg-Vorpommern, erhalten habe.

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Wie Vesper sieht auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Fall Drygalla bereits eine Grenze überschritten. „Steht es uns als Öffentlichkeit eigentlich wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlerinnen und Sportlern zu screenen, zu gucken, was da los ist?“, sagte der CDU-Politiker.

De Maizière warb am Montag als Gast im Deutschen Haus in London für eine differenzierte Sicht der Dinge. „Müssen wir von Sportlerinnen und Sportlern verlangen, dass sie offenbaren, mit wem sie befreundet sind, was die denken? Wo ist da die Grenze?“, sagte er und fügte hinzu: „Ich stelle diese Fragen, um einmal deutlich zu machen, dass es auch Grenzen der Überprüfung auch für die Rolle von Sportlern gibt.“ (dpa)