Berlin. Berlin zur Jahreswende 1930/1931. Während die Unterwelt einen blutigen Krieg um die Vorherrschaft in der Hauptstadt ausficht, entscheidet sich auch die Zukunft der Weimarer Republik.

Dass sich etwas verändert hat, merkt man bereits in der ersten Folge. Mit der neuen Staffel „Babylon Berlin“ kehrt zwar noch immer etwas Glitzerstimmung zurück, aber die Atmosphäre ist deutlich düsterer. Die Geschichte beginnt diesmal Ende des Jahres 1930 und erzählt auch vom Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland.

Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) wird bald in einer Uniform zu sehen sein, die noch viele Fragen aufwirft. Auftakt des vierten Durchgangs nun auch im Free-TV ist am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten. Die Episoden waren im vergangenen Jahr bei Sky gelaufen.

Mittlerweile ist es rund sechs Jahre her, dass die erste Folge von „Babylon Berlin“ lief. Die Serie galt damals als Sensation, nicht nur wegen des Produktionsbudgets und der Tatsache, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit einem Bezahlsender zusammen arbeitete. Die Serie traute sich auch ziemlich viel.

Äußerst komplexe Erzählstränge zum Beispiel, mit politischen und historischen Verwicklungen. In der vierten Staffel geht das nun weiter. Diesmal schiebt Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) den Silvesterdienst bei der Mordkommission, als in ein Kaufhaus eingebrochen wird. Während des Polizeieinsatzes kommt ein Verdächtiger unter brutalen Umständen zu Tode.

Gastauftritt von Max Raabe

Auch ihre Schwester Toni gerät in Schwierigkeiten, was Ritter bald vor eine schwierige Frage stellt. Parallel zieht ein SA-Trupp durch die Stadt und zerstört Läden jüdischer Besitzer. Als Charlotte Ritter erfährt, dass sich auch Gereon Rath der Menge angeschlossen hat, gerät die ohnehin nicht unkomplizierte Beziehung der beiden ins Wanken.

Die Bilder bleiben auch in der neuen Staffel spannend, wenngleich auch manchmal etwas überreizt. Kommissar Rath jedenfalls sitzt in einer surrealen Sequenz blutüberströmt im Moos. Nun ja. Ein Bonus ist wie schon in früheren Staffeln die Musik. Diesmal liefert Max Raabe mit einem Gastauftritt das Lied „Ein Tag wie Gold“.

Auch diesmal werden mehrere Geschichten parallel erzählt, mit Schauspielerinnen und Schauspielern wie Lars Eidinger, Meret Becker, Hannah Herzsprung, Benno Fürmann, Joachim Meyerhoff und Martin Wuttke. Es geht um kriminelle Polizisten und Ringvereine, um einen Tanzwettbewerb im „Moka Efti“, um jüdisches Leben und grassierenden Antisemitismus.

Die Lage verdüstert sich

Die Serie ist noch immer gut erzählt und entwickelt gerade dann, wenn man die ersten Folgen geschaut hat, einen ziemlichen Sog. Vorlage für die neue Staffel soll Volker Kutschers Roman „Goldstein“ sein.

„Ein Tag wie Gold. In den Adern Hunderttausend Volt. Eine Nacht wie Samt und Seide“, singt Max Raabe im Titellied. Darin heißt es auch: „Pass' auf, weil man sehr leicht vergisst: Nichts bleibt, wie es ist.“ Ein Satz, der im Leben meistens stimmt. Bei „Babylon Berlin“ verdüstert sich mit der neuen Staffel zwar die historische Lage, aber die Serienmacher behalten viele Dinge bei, die sich bewährt haben. Es gab schon schlechtere Fortsetzungen bei Serien.